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Vom Glück der Kriegsreportage

Wo Armee und Guerilla aufeinander schießen, ist auch Jineth Bedoya anzutreffen. Die Reporterin von "El Tiempo" ist Kolumbiens berühmteste Kriegs-Chronistin. Dafür zahlt die 34-Jährige einen hohen Preis. Auf Familie und Kinder verzichtet sie, denn sie lebt mit Todesdrohungen, Leibwachen und Geheimdienstüberwachung. Bereits zweimal geriet sie in die Gewalt bewaffneter Gruppen. Doch Aufgeben kommt für Bedoya nicht in Frage. "Ich habe meine Erfüllung gefunden", sagt sie über ihren Job ... Originalversion 5.8.09
Welt-Sichten 1.9.09 pdf-file / Online-Ausgabe

"Weder Gerechtigkeit noch Frieden"

Mit einer Teil-Amnestie namens "Gerechtigkeit und Frieden" will Präsident Àlvaro Uribe einen Schluss-Strich unter den jahrzehntelangen bewaffneten Konflikt in Kolumbien gezogen haben. Das Gesetz brachte Tausende von Gräueltaten der Paramilitärs ans Licht. Doch Gerechtigkeit brachte es wenigen, und schon gar nicht Frieden, sagen Kritiker.

Zu Besuch beim Terroristen

Auf den ersten Blick hat sich die Lage der Presse in Kolumbien gebessert. Im laufenden Jahr ist erst ein politisch motivierter Mord an einem Pressemitarbeiter zu beklagen. Kolumbianische Journalisten klagen allerdings über zunehmende Verfolgung durch Geheimdienst und Armee. Die Methoden seien weniger brutal, dafür um so raffinierter und effizienter. Angeheizt wird das Klima durch Präsident Álvaro Uribe, der missliebige Journalisten wiederholt als "Terroristen" bezeichnete.

epd-Mediendienst 12.8. (pdf) / Originaltext 5.8.

Bloggen für die Psyche

Um mit sich selbst ins Reine zu kommen, begann Yoani Sánchez vor zwei Jahren mit dem Bloggen. Heute ist die 33-jährige Literaturwissenschaftlerin Kubas berühmteste Bloggerin und wird mit internationalen Auszeichnungen überhäuft ... Originaltext 19.6.09

Allein gegen die Mafia

Patricia Gonzalez leistet ganze Arbeit gegen Mexikos Mafiabosse. Die ebenso zierliche wie unerschrockene Juristin ist ein Lichtblick im blutigen Kampf der Drogenkartelle. Denn sie sorgt für funktionierende Justiz und Polizei ... Originaltext

Im Land der Narcos

Mit Militär hat Mexiko den Mafiakrieg in Ciudad Juárez erstickt - und erntet massiv mehr Gewalt in den benachbarten Orten. "Cucaracha-Effekt" nennen das die Fachleute ... Originaltext 2.4.09

El Salvador: "Monseñor Romero ist wiederauferstanden"

El Salvadors neuer Linkspräsident Mauricio Funes weckt nicht nur Hoffnungen auf mehr Gerechtigkeit und weniger Armut. Möglich scheint erstmals auch die gerichtliche Aufklärung des vor 29 Jahren ermordeten Erzbischofs Oscar Romero ... Originaltext

Obama-Effekt: "Nun beginnt auch Kuba, über den Rassismus zu diskutieren"

Wenn sich jemand in Havanna ganz besonders über den neuen US-Präsidenten Barack Obama freut, dann ist das Manuel Cuesta. Seit Jahren setzt er sich für die Gleichberechtigung der Schwarzen ein. "Nun beginnt auch Kuba, über den Rassismus zu diskutieren", sagt Cuesta auf die Frage nach dem "Obama-Effekt" ... Originaltext 29.1.09

Mexiko debattiert das Küssen

Wie innig darf ein Kuss auf offener Straße sein? Die Frage beschäftigt in Mexiko die nationalen Parteivorstände, ruft Kirche und Menschenrechtsexperten auf den Plan und sorgt für volle Leserbriefspalten. Höhepunkt der Kussdebatte wird am kommenden Valentinstag sein (14. Februar). Dann sind die mehr als 20 Millionen Einwohner von Mexiko Stadt aufgerufen, sich einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde zu erküssen. Hinter der geplanten Megaknutscherei stehen handfeste parteipolitische Interessen.

Raúl Castros Rückkehr zur Realität

Zum 50. Jahrestag der Revolution am kommenden 1. Januar verabschiedet sich Kuba vom "Exzess an Idealismus". Der neue Staatschef Raúl Castro schafft die Lohngleichheit ab und lässt das Jubiläum so nüchtern wie noch nie feiern. Dabei fehlt es nicht an Seitenhieben auf den früheren Chefkommandenten Fidel Castro, der vom Krankenbett aus zuschaut. 

Komplette Originaltexte:
"Wir überstehen ein weiteres halbes Jahrhundert" (Vorbericht zum 50. Jahrestag von Kubas Revolution, 4200 Zeichen)

"Fidel Castro ist nicht mehr die Macht hinter dem Thron" (Interview mit Bert Hoffmann, 4550 Zeichen)

Doña Rosa ist nicht mehr alleine

Ananas und Avocado, Mandarinen und Maniok. Mit Selbsthilfegruppen verbessert "Brot für die Welt" in Guatemala nicht nur die Ernährung der Kleinbauern. Dank neuem Selbstvertrauen wehren sich die Campesinos auch gegen die Übergriffe der Großgrundbesitzer.  - Ein Beitrag zum 50-Jahre-Jubiläum des Hilfswerks.

hier die veröffentlichte(n) Fassung(en): epd (20.11.08), epd Funk (27.11.08)

Ein Mann für alle Katastrophenfälle

Vor zehn Jahren überzog Hurrikan Mitch die Länder Mittelamerikas mit Tod und Verwüstung. Dass sich eine solche Tragödie seither nicht wiederholt hat, ist auch das Verdienst von Wilfried Strauch. Der aus Frankfurt (Oder) stammende Geophysiker versorgt Behörden und Bevölkerung mit Informationen, die im Ernstfall Leben retten. Die Initiative geht auf die frühere DDR zurück und wird heute von der deutschen Entwicklungshilfe weitergeführt.

Kuba kämpft gegen eine drohende Hungersnot

Milliardenschwere Hurrikanschäden, explodierende Lebensmittelpreise und eine mögliche Hungersnot zwingen Kubas Führung zur Öffnung in Politik und Wirtschaft. Präsident Raúl Castro hat zwar zögerliche erste Schritte unternommen. Doch die genügen nicht. Und so wachsen Verzweiflung und Missfallen in der Bevölkerung.

Hier der komplette Originaltext, hier die veröffentlichte(n) Fassung(en): Tagespost (25.9.08), (25.9., pdf)

188 Dollar gegen die digitale Kluft

Mexiko Stadt. Buchstabe für Buchstabe tippt der 11-jährige Rudolfo die Geschichte, die er sich selbst ausgedacht hat. Sein Arbeitsgerät ist ein kleiner, bunter Computer namens XO, auch bekannt als 100-Dollar-Laptop. Er soll das Bildungswesen in den Ländern des Südens revolutionieren, versprach einst sein Erfinder, der US-amerikanische Computer-Visionär Nicholas Negroponte.

Hier der komplette Originaltext, hier die veröffentlichte Fassung: epd (5.9.)

Eine frauenbewegte Kulturmanagerin ist Haitis neue Hoffnung

Seit fast drei Monaten weigert sich Haitis Parlament, eine neue Regierung zu wählen. Beste Chancen auf das vakante Amt des Premiers hat jetzt die politische Außenseiterin Michèle Pierre-Louis. Mit Effizienz und Courage kämpft sie gegen Armut, Korruption - und Vorurteile.

Hier der komplette Originaltext, hier die veröffentlichten Fassungen: epd (18.7.), epd (1.8.)

500-Millionen-Dollar-Fliegen

Europas Geldgeber erinnern Nicaraguas Präsidenten Ortega an die demokratischen Spielregeln – und werden dafür aufs Gröbste beschimpft. Der Altrevolutionär glaubt es sich leisten zu können, weiss er doch Venezuelas sozialistische Bruderhilfe im Rücken.

Hier der Originaltext, hier die veröffentlichte Fassung: Der Bund (1.7., pdf)

Mexiko 1968: Ein Massaker für den olympischen Frieden

1968 richtete Mexiko die erste Olympiade in Lateinamerika aus. Die boomende Wirtschaftsnation wollte sich von der Schokoladenseite präsentieren. Doch in der Hauptstadt demonstrierten die Studenten gegen den autoritären Polizeistaat. Eine Woche vor Eröffnung der Spiele beendeten Panzer die Demokratiebewegung.

(Teil der epd-Serie zu den kommenden Olympischen Spielen in Peking)

Am 2. Oktober 1968 um 18.10 Uhr neigte sich eine weitere Protestkundgebung von Mexikos Studentenbewegung eilig dem Ende zu. Denn die Kulisse war bedrohlich: 300 Armeepanzer hatten zu diesem Zeitpunkt den „Platz der Drei Kulturen" im Hauptstadtviertel Tlatelolco umstellt. Ein Helikopter warf bengalische Feuer ab.

„Von diesem Moment an verwandelte sich der 'Platz der Drei Kulturen' in ein Infierno", berichtet die mexikanische Schriftstellerin Elena Poniatowska. Aus den umliegenden Hochhäusern und von allen Seiten des Platzes prasselte Gewehrfeuer auf die eingekesselten Menschen und traf gleichermaßen Schüler, Studenten, Kinder, Großmütter, Anwohner und Passanten.

Tlatelolco:, 2.10.198: Viele vermeintliche oder tatsächliche Studentenführer wurden verhaftet. Manche wanderten für Jahre hinter Gitter. Andere verschwanden spurlos.


Die von der Regierung kontrollierte Presse Mexikos berichtete spärlich von einer „Schlacht zwischen Terroristen und Soldaten", mit 29 Toten. Die Auslandspresse hingegen zählte 325 Tote und mehrere Tausend verletzte Personen. Eine davon war die – 2006 verstorbene - italienische Starreporterin Oriana Fallaci. Noch vom Krankenhaus in Mexiko aus versuchte sie, die Sportdelegation ihres Landes zu einem Boykott der Olympiade zu bewegen.

Doch im Ausland wollte niemand etwas von Fallacis Boykottforderung hören. Denn die Weltgemeinschaft war mit dem Kalten Krieg beschäftigt. Was interessierte, war der sportliche Wettkampf zwischen US-Amerikanern und Russen, zwischen West- und Ostdeutschen, zwischen Nord- und Südkoreanern ­­- nicht aber Tlatelolco.

Tlatelolco, 2.10.1968: Die offizielle Presse zählte 29 Tote, Auslandsreporter hingegen 325 Tote. Die Krankenhäuser in Mexiko Stadt waren überfüllt, mit Toten und Schwerverletzten in den Gängen.




1968 demonstrierten auf der ganzen Welt Studenten, in Kalifornien, in Berlin, in Paris, und auch in Mexiko. Dort protestierten sie gegen die autoritäre Einparteienherrschaft, forderten die Freilassung der politischen Gefangenen und einen öffentlichen Dialog mit der Regierung.

Mexikos damaliger Präsident Gustavo Díaz Ordaz (1964-70), ein leidenschaftlicher Antikommunist und Ordnungsfanatiker, antwortete mit Repression. Zur Seite stand ihm sein loyaler Innenminister und späterer Amtsnachfolger Luis Echeverría (1970-76).

Mexiko 1968 sah nicht viel anders aus als Berkeley, Paris oder Berlin. Doch nur in Mexiko sollten die Proteste mit einem Blutbad enden.


„Das einzige Land, in dem die Studentenbewegung mit einem Massaker endete, ist Mexiko. Das sagt viel über Mexiko und über uns", resümiert Poniatowska. Die heute 75-jährige gebürtige Mexikanerin, eine direkte Nachfahrin des letzten polnischen Königs, begann noch während der Olympiade mit den Recherchen zu ihrem Buch, das bis heute Beststeller bleiben sollte: „Die Nacht von Tlatelolco".

„Ich glaube, dass das wichtigste Motiv für das Massaker die herannahenden olympischen Spiele waren", urteilt Poniatowska. Denn erstmals sollten die Spiele in Lateinamerika stattfinden. Da wollte sich das wirtschaftlich aufstrebende Land von seiner besten Seite zeigen. Doch Mexikos Jugend spielte nicht mit. Sie suchte den Kontakt mit Fallaci und anderen Auslandskorrespondenten, um ihre Forderungen kundzutun. „Das war das, was die Regierung am meisten ärgerte", sagt Poniatowska.

Am 10. Oktober 1968, eine Woche nach der Nacht von Tlatelolco, eröffnete Präsident Díaz Ordaz die XIX Olympischen Spiele mit einem riesigen Ballon in Form einer Friedenstaube. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich mehr als 2000 vermeintliche oder tatsächliche Studentenführer in Haft und wurden gefoltert.

Das Schlimmste sei die Zeit nach dem Massaker gewesen, erinnert sich einer der von Poniatowska befragten Überlebenden. Denn in Mexiko ging der Alltag weiter, als sei nichts geschehen. „Es herrschte eine fürchterliche Polizeiüberwachung", erinnert sich die Schriftstellerin an die gespenstische Zeit der Olympiade. „Die meisten Mexikaner taten so, als wüssten sie von nichts."

Noch immer tut sich Mexiko schwer mit der Vergangenheitsbewältigung. Links: Ein 2007 eingeweihtes Mahnmal. Rechts: Ein 2006 auf Tlatelolco inszeniertes Theaterstück.


Die Aufarbeitung von Tlatelolco sollte in Mexiko erst 1998 beginnen, als der damals neu gewählte linke Bürgermeister, Cuauhtémoc Cardenas, zum 30. Jahrestag auf Halbmast flaggen ließ. Immer mehr Überlebende und Hinterbliebene wagen es seither, sich an die Öffentlichkeit und die Gerichte zu wenden, bisher ohne Erfolg.

Díaz Ordaz starb bereits 1979. Echeverría lebt heute unbehelligt in Mexiko Stadt. Ein letztes Verfahren gegen ihn wurde von der Justiz 2006 wegen Verjährung abgewiesen.

Im Sande verlaufen ist auch die von Mexikos Regierung 2001 angekündigte Veröffentlichung von geheimen Unterlagen aus der Zeit des Massakers. Einige mit der Aufarbeitung betraute Experten behaupteten zwar 2006, Belege für die Verantwortung von Díaz Ordaz und Echeverría gefunden zu haben. Ihr Bericht wurde von der Regierung jedoch nur in einer bereinigten Fassung veröffentlicht, die wenig Neues brachte.

Wer für das Gemetzel vor fast 40 Jahren verantwortlich ist, und wieviele Menschen dabei starben, ist bis heute nicht geklärt.

Indiana Jones: Reichlich Verwirrung im Kristallschädel

Der neue Indiana-Jones-Film ist für Lateinamerikaner das, was für Europäer ein türkisch sprechender Wilhelm Tell wäre, der in Paris die russische Revolution ausruft. Doch das macht nichts.

Mexikos Drogenkrieg: „Wir sind die Guten und sie sind die Bösen"

In Villa Ahumada ist nichts mehr wie früher, seit Mexikos Drogenkrieg das Städtchen erfasst hat. Polizeidirektor Don Pepe ist ohne Polizisten und auch sonst ist das Selbstvertrauen in dem Stück Bilderbuchmexiko durchlöchert.

Hier der Originaltext, hier die veröffentlichte Fassung: NZZaS (1.6., pdf)