Zehntausende von Mexikanern haben am Samstag Abend (Ortszeit) gegen die zunehmende Gewalt im Land demonstriert. In Mexiko Stadt nahmen nach Angaben der Behörden 50 000 Menschen an einem Schweigemarsch teil. Von bis zu 500 000 Teilnehmern sprachen hingegen die Bürgerorganisationen von Gewaltopfern, die zu der Kundgebung aufgerufen hatten. Regen Zulauf fanden nach ihren Angaben auch die Demonstrationen, die am Samstag zeitgleich in 70 weiteren Städten Mexikos abgehalten wurden.
Anlass für die Kundgebungen ist die massiv angestiegene Gewalt in Mexiko. Allein im laufenden Jahr sind nahezu 3000 Menschen im Zusammenhang mit dem Drogenhandel umgekommen, mehr als im gesamten Vorjahr. Hinzu kommt ein beängstigender Anstieg an Entführungen. Mit bisher 400 offiziell bekannten Kidnappingfällen im Jahr 2008 übertrifft Mexiko mittlerweile Länder wie Kolumbien oder den Irak. Hinzu kommt eine große Dunkelziffer von Fällen, die nie angezeigt werden.
Schlagzeilen machten in Mexiko in den vergangenen Wochen die Fälle zweier Familien, die ihre entführten Kinder nicht lebend zurückbekamen, obwohl sie das vereinbarte Lösegeld bezahlt hatten. In einem der Fälle war ein Polizist massgeblich an der Entführung beteiligt. Zahlreiche Demonstranten warfen der Regierung Untätigkeit im Kampf gegen das Verbrechen vor. "Keine Straflosigkeit mehr", war auf vielen Transparenten und Schildern zu lesen.
Kritisiert wurde auch die schlecht ausgebildete und unterbezahlte Polizei Mexikos, die oftmals mit den Verbrecherbanden zusammenarbeitet. Der Sicherheitsminister der mexikanischen Stadt Aguascalientes bezeichnete die Polizei laut Medienberichten als "kranke, dicke, alte und korrupte Analphabeten".