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Krisengipfel nach verheerendem Regen in Mittelamerika

Nach den verheerenden Regenfällen der letzten zehn Tage in Mittelamerika hat El Salvador einen Krisengipfel angekündigt. Wie Außenminister Hugo Martínez am Sonntag (Ortszeit) ankündigte, wollen die Staatschefs der Region dabei die humanitäre Hilfe koordinieren. Die heftigsten Regenfälle seit über zehn Jahren forderten in Mittelamerika bisher mehr als 90 Menschenleben. Mehr als 600.000 Menschen sind betroffen.

Tote bei Unwettern in Mittelamerika

Anhaltend schwere Regenfälle und Erdrutsche haben in Zentralamerika laut lokalen Behörden bisher mehr als 90 Todesopfer gefordert. Am Dienstag (Ortszeit) rief als viertes Land der Region auch El Salvador den Notstand aus. Insgesamt wurden in El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua mehr als 100.000 Menschen evakuiert. Mehrere Tausend Orte in der Region sind überschwemmt, Straßen und Brücken zerstört. Betroffen von ungewöhnlich heftigem Dauerregen sind auch der Süden Mexikos sowie Kolumbien. Ursache der Wassermassen sei der Klimawandel, teilte die Zentralamerikanische Kommission für Umwelt und Entwicklung (CCAD) in San Salvador mit.

Studie: Durchreise durch Mexiko für Migranten sehr gefährlich

Mittelamerikanische Migranten auf ihrem Weg in die USA sind bei ihrer Durchreise durch Mexiko extrem gefährdet. Die Menschen hielten sich bereits in Mexiko illegal auf und gerieten in ein "schwarzes Loch der Gewalt", kritisierte das US-Forschungsinstitut COHA in einer am Mittwoch (Ortszeit) in Washington veröffentlichten Studie. Gefahr für die etwa 500.000 Migranten, die jährlich Mexiko durchqueren, gehe sowohl von den Drogenkartellen als auch von korrupten Beamten aus.

Costa Ricas Präsidentin: Drogenkartelle können ganze Länder kaufen

Die mexikanischen Drogenkartelle gewinnen nach den Worten von Costa Ricas Präsidentin Laura Chinchilla auch in den zentralamerikanischen Kleinstaaten immer mehr Macht. "Ihre Gewinne übersteigen das Bruttoinlandprodukt einiger Nationen.

Deutschland fördert Schutz des Regenwaldes in Zentralamerika

Entwicklungsminister Dirk Niebel hat zum Auftakt seines Besuches in El Salvador am Sonntag (Ortszeit) mit den zentralamerikanischen Ländern ein Abkommen zum Schutz des Regenwaldes in der Region unterzeichnet.

Zentralamerika ist die gewalttätigste Region des amerikanischen Kontinents

Die Vereinten Nationen (UN) haben Mittelamerika als gewalttätigste Region des amerikanischen Kontinents bezeichnet. Laut einer am Dienstag (Ortszeit) veröffentlichten Studie des UN-Entwicklungsprogramms werden in den sieben Ländern der Region im Jahresdurchschnitt 33 von 100 000 Einwohnern ermordet. Als "besonders alarmierend" bezeichneten die Experten die Situation in den drei Ländern Honduras (58), El Salvador (52) und Guatemala (48 Morde je 100 000 Einwohner).

Ein Mann für alle Katastrophenfälle

Vor zehn Jahren überzog Hurrikan Mitch die Länder Mittelamerikas mit Tod und Verwüstung. Dass sich eine solche Tragödie seither nicht wiederholt hat, ist auch das Verdienst von Wilfried Strauch. Der aus Frankfurt (Oder) stammende Geophysiker versorgt Behörden und Bevölkerung mit Informationen, die im Ernstfall Leben retten. Die Initiative geht auf die frühere DDR zurück und wird heute von der deutschen Entwicklungshilfe weitergeführt.

Hurrikan "Gustav" wütet in der Karibik

Bisher 23 Todesopfer - Massenevakuation in Kuba

Mexiko Stadt. Gut eine Woche nach dem tödlichen Tropensturm "Fay" wird die Karibik erneut von einem Zyklon heimgesucht. Bis Mittwoch (Ortszeit) forderte der Hurrikan "Gustav" auf der Insel Hispanola (Haiti und Dominikanische Republik)  insgesamt 23 Todesopfer, wie die lokalen Zivilschutzbehörden berichteten.

In Haiti hat "Gustav" mit Windgeschwindigkeiten von über 150 km/h und schweren Regenfällen bereits seit Dienstag Überschwemmungen im ganzen Land verursacht. Laut lokalen Medien sind Ernteausfälle zu befürchten. In dem ärmsten Land des amerikanischen Kontinents kam es erst im vergangenen April zu schweren Hungerunruhen.

In Kuba wurden bis Mittwoch Abend rund 50 000 Menschen evakuiert, wie die staatliche Nachrichtenagentur AIN mitteilte. Dort erwarten Meteorologen das Eintreffen "Gustavs" von Haiti her kommend in den folgenden Tagen (( einige gehen von Do aus, andere von Sa, Gustav ist ein launischer)). Gefährdet ist auch das benachbarte Jamaika ((sollte sich Gustavs schlechte Laune mit Linksdrift verbinden)).
  
Zwischen dem 16. und 23. August forderte der Tropensturm "Fay" bereits zahlreiche Menschenleben. Insgesamt meldeten verschiedene Karibikstaaten und der US-Bundesstaat Florida 47 Todesopfer und Vermisste.

Hurrikan Gustav wütet in der Karibik

Ein Todesopfer in Haiti - Alarm in Kuba und Jamaika

Mexiko Stadt. Gut eine Woche nach dem tödlichen Tropensturm "Fay" ist die Karibik erneut von einem Zyklon bedroht. Am Dienstag (Ortszeit) forderte der Hurrikan "Gustav" in Haiti ein Todesopfer und fünf Verletzte, wie der lokale Zivilschutz berichtete. Demnach hat "Gustav" mit Windgeschwindigkeiten von über 150 km/h und schweren Regenfällen Überschwemmungen im ganzen Land verursacht. Laut lokalen Medien sind Ernteausfälle zu befürchten. In Haiti kam es erst im vergangenen April zu schweren Hungerunruhen.

In Kuba wurden derweil mehr als 11 000 Menschen evakuiert, darunter 623 ausländische Touristen, wie Kubas staatliche Nachrichtenagentur AIN mitteilte. Dort erwarten Meteorologen das Eintreffen "Gustavs" im Laufe des Mittwoch oder des Donnerstag. Gefährdet ist auch das benachbarte Jamaika, wo die Behörden ebenfalls Alarm ausgaben.

In der Dominikanischen Republik, die von "Gustav" bereits am Dienstag gestreift wurde, kam es nach bisherigen Meldungen zu keinen größeren Schäden. Mehr als 5000 Menschen waren dort vorsorglich evakuiert worden.

Zwischen dem 16. und 23. August forderte der Tropensturm "Fay" bereits zahlreiche Menschenleben. Insgesamt meldeten verschiedene Karibikstaaten und der US-Bundesstaat Florida 47 Todesopfer und Vermisste.

Von der Tortillakrise in Mexiko zur Hungerrevolte in Haiti

Ein Jahr nach Mexikos Tortillakrise kommt es in Haiti zu Hungerprotesten. Die Region ist gefährdet - nächster Kandidat für eine Hungerrevolte ist Nicaragua. Ein deutscher Entwicklungsexperte spricht von einem "Pulverfass".

In Haiti haben gewalttätige Hungerproteste der vergangenen Woche fünf Todesopfer und Dutzende von Verletzten gefordert. Anlass waren Preissteigerungen von durchschnittlich 50 Prozent innert Jahresfrist für die Grundnahrungsmittel Reis, Bohnen, Früchte und Milch. Erneut
efährdet ist damit die 2006 eingeleitete Stabilisierung der Karibiknation.

Seit mehreren Tagen zu gewalttätigen Tumulten kommt es auch in Nicaragua, dem nach Haiti zweitärmsten Land Amerikas. In Nicaraguas traditionell aufständischer Atlantikregion vermengen sich derzeit alte politische Konflikte und die verzweifelte wirtschaftliche Lage zu einem „Pulverfass", warnt dort der deutsche Entwicklungshelfer Jürgen Schmitz. „Die Situation an der Atlantikküste ist so bedenklich, dass ich mir vorstellen kann, dass es knallt."

Wie in Nicaragua sind auch im Rest Mittelamerikas Reis und Bohnen bis zu doppelt so teuer wie noch vor einem Jahr. „Die Leute essen weniger", berichtet aus Guatemala der chilenische Entwicklungshelfer Pedro Hoffmann über die Folgen. Die Zahl der unterernährten Kleinkinder sei deutlich gestiegen.

Ähnlich verzweifelt ist die Lage in Honduras und El Salvador, wo der durchschnittliche Monatslohn von rund 200 Franken nicht mehr ausreicht, um das Notwendigste zu kaufen. In beiden Ländern steigt die Armutsemigration in die USA an.

Im vergleichsweise wohlhabenden Mexiko, der grössten Wirtschaftsnation Lateinamerikas, kam es bereits vor über einem Jahr zu Protesten gegen gestiegene Lebensmittelpreise, bekannt als Tortillakrise. Ausgelöst wurde sie durch den Ethanol-Boom in den USA, der die Maispreise kurzfristig um 40 Prozent steigen liess und seither weiter klettern lässt. Das trifft vor allem die 45 der 104 Millionen Mexikaner, die in Armut leben. Mit dem Mindestlohn können sie heute noch knapp sechs Kilogramm des Grundnahrungsmittels Tortilla kaufen. Vor 15 Jahren waren es noch 38 Kilogramm.

Auch das sozialistische Kuba ist von den hohen Lebensmittelpreisen getroffen. Denn dessen Regierung führt jährlich für schätzungsweise 1,6 Milliarden US-Dollar Lebensmittel ein, die sie zu stark subventionierten Preisen an die Bevölkerung abgibt. Zur Entlastung der Staatskasse versucht die neue Regierung unter Raúl Castro, die brachliegende einheimische Landwirtschaft Kubas aus den Fesseln staatlicher Planung zu befreien – und fördert die private Bewirtschaftung von Agrarland. Neuerdings sind sogar Auslandsinvestitionen erlaubt.

Mittelamerikas Arbeitskräfte-Export auf neuem Rekord

In Guatemala und El Salvador übersteigen die Heimüberweisungen der Emigranten bald die gesamten Exporterlöse

San José. Die illegale Emigration in die USA wird für immer mehr Familien in Mittelamerika zur einzigen Einkommensquelle. Wie die Zentralbank Guatemalas am Dienstag (Ortszeit) mitteilte, hat das Land im vergangenen Jahr 4,1 Milliarden US-Dollar von seinen Emigranten in den USA erhalten. Damit sind die Heimüberweisungen im siebten Jahr in Folge kräftig gestiegen, diesmal um 14,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hält der Trend an, übersteigen die Heimüberweisungen im laufenden Jahr voraussichtlich die gesamten Exporterlöse des Landes aus Tourismus, Bananen, Kaffee und sämtlichen anderen Ausfuhrprodukten.

Ein ähnlicher Trend zeichnet sich im benachbarten El Salvador ab, wo die Heimüberweisungen von 3,7 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr nahezu dem Total aller Exporterlöse entsprechen. Der zentralamerikanische Kleinstaat ist das weltweit am stärksten von Heimüberweisungen abhängige Land. Nahezu jeder dritte Bürger lebt im Ausland, viele davon als illegale Emigranten in den USA.

Weltweit betrugen die Heimüberweisungen von Emigranten aus Entwicklungsländern im Jahr 2007 laut einer Weltbankschätzung 240 Milliarden US-Dollar. Das ist das Doppelte der weltweiten staatlichen Entwicklungshilfe. Weltweit grösster Empfänger von Heimüberweisungen (und damit grösster Arbeitskräfte-Exporteur) ist mit rund 60 Milliarden US-Dollar Lateinamerika.

„Wenn nichts passiert, ist viel erreicht"

Warum Katastrophenvorsorge immer wichtiger wird

Im Bündnis „Entwicklung hilft" werben tdh und vier weitere deutsche
Hilfswerke für mehr Katastrophenvorsorge in Entwicklungsländern. Denn
der Klimawandel macht sich dort bereits bemerkbar und droht bisherige
Erfolge der Zusammenarbeit zunichte zu machen.

Managua / San Salvador. Das Jahr 2007 entsprach in Mittelamerika und
der Karibik den düstersten Voraussagen zum Klimawandel. Im September
forderte der Hurrikan Felix in Nicaragua rund 450 Menschenleben. 50
000 Menschen verloren Haus und Hof. Anschließend zerstörten
ungewöhnlich starke Regenfälle im Norden des Landes bis zu 80 Prozent
der Ernte. Währenddessen brachte der Tropensturm Noel der Karibik Tod
und Zerstörung. Ganz ungewöhnlich formierte sich dort im Dezember,
bereits außerhalb der Hurrikansaison, ein weiterer Tropensturm und
traf erneut die gänzlich unverbereitete Dominikanische Republik.

Der Klimawandel und die vermehrte Katastrophenanfälligkeit der Ärmsten
ist eines der Themen, die die fünf großen deutschen
Hilfsorganisationen gemeinsam betreffen. Zusammen werben sie darum im
Bündnis „Entwicklung hilft" für mehr Katastrophenvorsorge in der
Entwicklungsarbeit. „Wenn nichts passiert, ist viel erreicht", fasst
Bündnis-Sprecherin Kerstin Reisdorf das gemeinsame Ziel zusammen. Denn
„jede Katastrophe macht erreichte Fortschritte zunichte und wirft
gerade die Entwicklungsländer noch weiter zurück".

Im besonders katastrophenanfälligen Mittelamerika unterstützt jede der
fünf Hilfsorganisationen Vorsorgeprojekte, die ihren spezifischen
Stärken entsprechen. Auf Aufklärung und Bildung setzt Terre des Hommes
(siehe Haupttext). Bildung steht auch im Vordergrund bei der
Organisation „medico international". Sie unterstützt in Nicaragua
unter anderem das Wiederansiedlungsprojekt „El Tanque", wo
Kleinbauernfamilien nach dem Hurrikan Mitch eine neue Existenz fanden.
Eine umfassende Alphabetisierung und Ausbildung in diversifizierter
Landwirtschaft schützt die Menschen besser gegen zukünftige
Katastrophen.

Mehr auf die lokale Vernetzung zielt ein Pilotprojekt der „Deutschen
Welthungerhilfe" im Norden Nicaraguas. Sie baute unter Einbeziehung
der lokalen Führungspersonen ein Frühwarnsystem in der Gemeinde San
Juan de Limay auf. Die erste Bewährungsprobe kam mit den starken
Regenfällen im letzten Oktober. Die Menschen in den Dörfern wurden im
Gegensatz zu früheren Desastern von sich aus aktiv und retteten mit
Funkgeräten und ehrenamtlichen Rettungsbrigaden vermutlich mehrere
Hundert Leben.

Ein lokales Frühwarnsystem finanziert hat auch das evangelische
Hilfswerk „Brot für die Welt", an der hurrikangefährdeten
Atlantikregion Nicaraguas. Erdbebensicheres Bauen ist hingegen der
Schwerpunkt der Vorsorgearbeit von Misereor in El Salvador. Das
katholische Hilfswerk fördert die Entwicklung und Verbreitung von
kostengünstigen, speziell verstärkten Lehmziegelbauten.

Gemeinsam ist den Vorsorgeprojekten eines: Sie stärken die lokalen
Strukturen, denn um sich besser zu schützen, müssen die Menschen
zusammenarbeiten. Damit können sie aber auch ihre anderen Anliegen
besser durchsetzen, gegen die oftmals korrupten Zentralregierungen.
Somit dient die Katastrophenvorsorge auch der „nachhaltigen
Entwicklung", betont Bündnis-Sprecherin Reisdorf.

Mittelamerika gründet Zollunion

San José. Die Präsidenten Mittelamerikas haben am MIttwoch in Guatemala eine Rahmenvereinbarung über eine Zollunion unterzeichnet. Laut einer gemeinsamen Presseerklärung von Mittwoch (Ortszeit) wollen die fünf Kleinstaaten Costa Rica, Nicaragua, El Salvador, Honduras und Guatemala in drei Etappen die wirtschaftliche Integration der Region erreichen.

Die Zollunion Mittelamerikas ist Vorbedingung der Europäischen Union
für weitere Verhandlungen über ein Assoziierungsabkommen mit der
Region. Nach einer ersten Verhandlungsrunde im vergangenen Oktober ist
die nächste Runde im Februar in Brüssel vorgesehen. Neben dem
Freihandel sollen mit dem Abkommen die Entwicklungszusammenarbeit und
der politische Dialog verstärkt werden.

Das bisherige Handelsvolumen zwischen Mittelamerika und der EU beträgt
4,85 Milliarden US-Dollar jährlich. Die EU importiert aus der Region
vor allem Kaffee, Bananen und andere tropische Früchte.

Von den rund 34 Millionen Einwohnern Mittelamerikas leben etwa 60
Prozent in Armut.

Mittelamerika - "Wenn nichts passiert, ist viel erreicht"

Die deutschen Hilfswerke wollen mehr Spenden für den

Katastrophenschutz in Entwicklungsländern gewinnen. Ein Dilemma, denn
mit vermiedenem Leid sind keine Schlagzeilen zu machen. Das beweist
derzeit Nicaragua.

ESTELÍ (NICARAGUA)

Die diesjährige Regenperiode in Nicaragua entsprach den düstersten
Voraussagen der Experten zum Klimawandel. Ein Hurrikan und 50 Tage
Dauerregen zerstörten große Teile der Ernte. Die
Welternährungsorganisation FAO warnt vor einer kommenden Hungersnot.
Präsident Daniel Ortega spricht von einer Situation "mit der Pistole
am Kopf" und beantragte am Wochenende im Parlament die Einfrierung der
Schuldzahlungen. Denn das mittelamerikanische Land benötigt aktuell
392 Millionen US-Dollar Soforthilfe. Der Hilferuf verklang ungehört.

Nicaragua ist nur eines von vielen Ländern, in denen sich derzeit
"vergessene Naturdesaster" ereignen, so die britische
Hilfsorganisation Oxfam. Vergessen werden sie, weil immer mehr
Katastrophen in Entwicklungsländern um Spenden und öffentliche
Aufmerksamkeit konkurrieren.

Die Hilfswerke in Deutschland bringt das ins Dilemma. Immer mehr
Mittel gehen in die Nothilfe. Dabei wäre Katastrophenvermeidung
effizienter. „Jeder Euro, der in die Katastrophenvorsorge fließt,
spart sieben Euro im Katastrophenfall", sagt Kerstin Reisdorf vom
Bündnis „Entwicklung hilft", dem Zusammenschluss der fünf großen
Hilfswerke Deutschlands. Deren Pilotprojekte in Mittelamerika zeigen,
dass nicht jedes Naturdesaster zwangsläufig zur Katastrophe werden
muss. Doch mit vermiedenem Leid sind weder Schlagzeilen zu machen noch
Spenden zu gewinnen.

Die zwiespältige Situation erklärt Jürgen Schmitz, Projektleiter der
Deutschen Welthungerhilfe in Estelí, Nicaragua. Trotz der aktuell
„üblen Situation" für die von den Sintfluten heimgesuchten Menschen
spricht der Geologe von einer „äußerst erfolgreichen Arbeit". Im
Norden und Nordwesten des Landes, wo die Welthungerhilfe in den
vergangenen sieben Jahren ein Frühwarnsystem aufgebaut hat, gab es
kein einziges Todesopfer zu beklagen. Schmitz spricht von "ein paar
Hundert geretteten Menschenleben."

Schlagzeilen machte das Pilotprojekt der Welthungerhilfe bisher nicht.
Die gab es dafür zuletzt vor neun Jahren, Damals fegte der Hurrikan
Mitch über Nicaragua, brachte ähnlich viel Wassermassen wie die
Regenfälle dieses Jahres, und forderte unter der völlig
unvorbereiteten Bevölkerung mehr als 3000 Todesopfer. Die Welt nahm
Anteil und spendete Hunderte von Millionen Dollar. Doch viel Geld
verschwand unter der korrupten Regierung des damaligen Präsidenten
Arnoldo Alemán.

Für Schmitz ist die Katastrophenvorbeugung darum auch „Entwicklung von
unten", wie er bei der Besichtigung des Projektes erklärt. Zwölf
solarstrombetriebene Funkstationen hat die Welthungerhilfe entlang des
Gebirgszuges im Norden des Landes, der Cordillera de las Brisas,
installiert. Bedient und gewartet werden sie von ausgebildeten
Fachkräften in den Dörfern, meist Frauen, „denn die sind
zuverlässiger". Deren Funksignale haben soeben ein Gebiet mit 25 000
Einwohnern vor nahenden Flutwellen gewarnt.

Aktiv geworden sind in den letzten Wochen auch die von der
Welthungerhilfe ausgebildeten Rettungsbrigaden. Sie retteten Dutzende
von Familien aus ihren vom Wasser bedrohten Häusern. Besonders wichtig
für Schmitz war, dass die Menschen in den Dörfern „von sich aus mit
den Evakuierungen begonnen haben." Der Geologe führt das auf die
Schulungen zurück, die die Welthungerhilfe in den letzten Jahren in
den Dörfern durchgeführt hat. Er zeigt sich überzeugt, dass das auch
einen Effekt über den Katastrophenschutz hinaus hat: „Je besser an
die Leute von unten ausbildet, desto besser können auch eine korrupte
Regierung oder korrupte Institutionen kontrolliert werden."

Ähnlich wie die Welthungerhilfe betreiben auch die anderen deutschen
Hilfswerke Pilotprojekte zum Katastrophenschutz in Mittelamerika.
„Brot für die Welt" finanziert ein Hochwasserwarnsystem an der
Atlantikküste Nicaraguas. „Misereor" fördert erdbebensichere Bauten in
ländlichen Regionen El Salvadors. Dort arbeitet auch „Terre des
Hommes" an der Katastrophenvorbeugung, mit Bildungsmaßnahmen für
Menschen in gefährdeten Gebieten. Das Hilfswerk „Medico International"
wiederum unterstützt das erdbeben- und hurrikansicher gebaute
Modelldorf „El Tanque" in Nicaragua.

Gemeinsam ist den Projekten, dass die „lokalen Kräfte mobilisiert
werden", erklärt Kerstin Reisdorf vom Bündnis „Entwicklung hilft".
Darum seien „Katastrophenvorsorge und Entwicklungszusammenarbeit zwei
Seiten derselben Medaille". Um die Öffentlichkeit „auch ohne
spektakuläre Bilder" für die Katastrophenvorsorge zu gewinnen,
veranstalten die Hilfswerke am 14. November in Bonn ein Symposium.
Der Titel ist Programm: „Wenn nichts passiert, ist viel erreicht".

Oxfam kritisiert geplantes Freihandelsabkommen EU-Mittelamerika

Verhandlungsstart in Costa Rica

San José. Zum Auftakt der Freihandelsverhandlungen zwischen der
Europäischen Union und Mittelamerika hat die Organisation Oxfam die EU
für ihre "aggressive Position" kritisiert. "Die europäischen
Interessen werden sich durchsetzen, während Zentralamerika im
allgemeinen verlieren wird", schrieb die international tätige
HIlfsorganisation in einem am Montag (Ortszeit) in Costa Rica
veröffentlichen Pressemitteilung. Insbesondere die ärmste
Bevölkerungsschicht werde nicht von einem steigenden Handel zwischen
den beiden Regionen profitieren. Vielmehr würden die Kleinbauern
Mittelamerikas durch die "Importe der subventionierten europäischen
Agrarindustrie" bedroht.

Mehr als 200 Unterhändler der EU und der fünf mittelamerikanischen
Staaten Costa Rica, Nicaragua, El Salvador, Honduras und Guatemala
haben am Montag (17 Uhr Ortszeit) in Costa Ricas Hauptstadt San José
die erste Verhandlungsrunde über ein Assoziierungsabkommen der beiden
Regionen begonnen. Es umfasst neben einem Freihandelsvertrag auch die
Zusammenarbeit in Politik und Entwicklungsfragen. Für Europa gehe es
nicht primär um den Marktzugang, versicherte der EU-Chefunterhändler
Joao Aguiar Machado gegenüber den Medien in San José. Der EU gehe es
vielmehr darum, in der Welt "Zentren der Stabilität" zu schaffen.

Schwierige Verhandlungen erwarten die Unterhändler gemäß früheren
Berichten bei den Agrarprodukten, besonders bei den Bananen. Denn dort
gewährt die EU bisher den früheren Kolonien in Afrika und der Karibik
Vorzugsbedingungen, unter Verletzung der Regeln der
Welthandelsorganisation. Vorgesehen sind insgesamt zehn
Verhandlungsrunden zwischen der EU und Mittelamerika. Offiziell ist
kein verbindliches Abschlussdatum vorgesehen. Optimisten hoffen, das
Assoziierungsabkommen bis Mai 2008 abzuschließen, wenn die EU ihren
nächsten Lateinamerika-Gipfel in Peru zelebriert.

Das bisherige Handelsvolumen zwischen der EU und Mittelamerika beträgt
4,9 Milliarden Dollar jährlich, bei einem Überschuss zugunsten Europas
von knapp einer Milliarde. Nach Europa exportiert Mittelamerika vor
allem Kaffee, Bananen, tropische Früchte, Meeresfrüchte und andere
Landwirtschaftsprodukte. Die Eu exportiert nach Mittelamerika
hauptsächlich Medikamente, Telekom-Ausstattung, Kunstdünger und
Spritzmittel für die Landwirtschaft. Mehr als die Hälfte des Handels
Mittelamerikas mit Europa entfällt dabei auf Costa Rica, den mit
Abstand wohlhabendsten Staat der Region. Costa Rica hat erst Anfang
des Monats ein Freihandelsabkommen mit den USA in einer knappen
Referendumsabstimmung angenommen.

In Lateinamerika hat die EU bisher erst ein Freihandelsabkommen
abschließen können, nämlich mit Chile. Dort sind zollpolitisch heikle
Produkte wie Fleisch, Milch und Zucker ausgenommen. Ein weiteres
geplantes EU-Freihandelsabkommen mit den vier Mercosur-Staaten
Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay kommt seit Jahren nicht
voran. Die USA hingegen haben in Lateinamerika insgesamt 13
Freihandelsabkommen abgeschlossen oder in Vorbereitung.

Verheerende Regenfaelle in Mittelamerika

Costa Rica ruft nationalen Notstand aus

San José. Nach zehn Tagen außergewöhnlich heftiger Regenfälle hat
Costa Ricas Innenministerium am Mittwoch (Ortszeit) den nationalen
Notstand ausgerufen. In den mittelamerikanischen Nachbarländern
Panama, Nicaragua und El Salvador sind die Behörden in höchster
Alarmbereitschaft. In der gesamten Region (die genannten vier Länder)
haben großflächige Überschwemmungen und Erdrutsche in den vergangenen
Tagen 35 Todesopfer gefordert. 6000 Menschen in Costa Rica und
Nicaragua wurden bisher evakuiert. Weitere 11 000 wurden geschädigt.
Allein in Costa Rica schätzt der nationale Katastrophenschutz die
Schäden an zerstörten Straßen und Brücken auf rund 70 Millionen
US-Dollar. Im Nordwesten Nicaraguas kommt es laut den dortigen
Behörden zu grossen Ernteausfällen.

Menschenrechte bei Chiquita

Chiquita kümmert sich um die Menschenrechte - zu wenig für die Kritiker, zu viel zum Geldverdienen ... Originaltext 20.6.07
Der Bund 12.7.07 / Eins Entwicklungspolitik (Juli 07) - Seite 1 / Seite 2 / Seite 3