San José. Zum Auftakt der Freihandelsverhandlungen zwischen der
Europäischen Union und Mittelamerika hat die Organisation Oxfam die EU
für ihre "aggressive Position" kritisiert. "Die europäischen
Interessen werden sich durchsetzen, während Zentralamerika im
allgemeinen verlieren wird", schrieb die international tätige
HIlfsorganisation in einem am Montag (Ortszeit) in Costa Rica
veröffentlichen Pressemitteilung. Insbesondere die ärmste
Bevölkerungsschicht werde nicht von einem steigenden Handel zwischen
den beiden Regionen profitieren. Vielmehr würden die Kleinbauern
Mittelamerikas durch die "Importe der subventionierten europäischen
Agrarindustrie" bedroht.
Mehr als 200 Unterhändler der EU und der fünf mittelamerikanischen
Staaten Costa Rica, Nicaragua, El Salvador, Honduras und Guatemala
haben am Montag (17 Uhr Ortszeit) in Costa Ricas Hauptstadt San José
die erste Verhandlungsrunde über ein Assoziierungsabkommen der beiden
Regionen begonnen. Es umfasst neben einem Freihandelsvertrag auch die
Zusammenarbeit in Politik und Entwicklungsfragen. Für Europa gehe es
nicht primär um den Marktzugang, versicherte der EU-Chefunterhändler
Joao Aguiar Machado gegenüber den Medien in San José. Der EU gehe es
vielmehr darum, in der Welt "Zentren der Stabilität" zu schaffen.
Schwierige Verhandlungen erwarten die Unterhändler gemäß früheren
Berichten bei den Agrarprodukten, besonders bei den Bananen. Denn dort
gewährt die EU bisher den früheren Kolonien in Afrika und der Karibik
Vorzugsbedingungen, unter Verletzung der Regeln der
Welthandelsorganisation. Vorgesehen sind insgesamt zehn
Verhandlungsrunden zwischen der EU und Mittelamerika. Offiziell ist
kein verbindliches Abschlussdatum vorgesehen. Optimisten hoffen, das
Assoziierungsabkommen bis Mai 2008 abzuschließen, wenn die EU ihren
nächsten Lateinamerika-Gipfel in Peru zelebriert.
Das bisherige Handelsvolumen zwischen der EU und Mittelamerika beträgt
4,9 Milliarden Dollar jährlich, bei einem Überschuss zugunsten Europas
von knapp einer Milliarde. Nach Europa exportiert Mittelamerika vor
allem Kaffee, Bananen, tropische Früchte, Meeresfrüchte und andere
Landwirtschaftsprodukte. Die Eu exportiert nach Mittelamerika
hauptsächlich Medikamente, Telekom-Ausstattung, Kunstdünger und
Spritzmittel für die Landwirtschaft. Mehr als die Hälfte des Handels
Mittelamerikas mit Europa entfällt dabei auf Costa Rica, den mit
Abstand wohlhabendsten Staat der Region. Costa Rica hat erst Anfang
des Monats ein Freihandelsabkommen mit den USA in einer knappen
Referendumsabstimmung angenommen.
In Lateinamerika hat die EU bisher erst ein Freihandelsabkommen
abschließen können, nämlich mit Chile. Dort sind zollpolitisch heikle
Produkte wie Fleisch, Milch und Zucker ausgenommen. Ein weiteres
geplantes EU-Freihandelsabkommen mit den vier Mercosur-Staaten
Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay kommt seit Jahren nicht
voran. Die USA hingegen haben in Lateinamerika insgesamt 13
Freihandelsabkommen abgeschlossen oder in Vorbereitung.