„Wenn nichts passiert, ist viel erreicht"

Warum Katastrophenvorsorge immer wichtiger wird

Im Bündnis „Entwicklung hilft" werben tdh und vier weitere deutsche
Hilfswerke für mehr Katastrophenvorsorge in Entwicklungsländern. Denn
der Klimawandel macht sich dort bereits bemerkbar und droht bisherige
Erfolge der Zusammenarbeit zunichte zu machen.

Managua / San Salvador. Das Jahr 2007 entsprach in Mittelamerika und
der Karibik den düstersten Voraussagen zum Klimawandel. Im September
forderte der Hurrikan Felix in Nicaragua rund 450 Menschenleben. 50
000 Menschen verloren Haus und Hof. Anschließend zerstörten
ungewöhnlich starke Regenfälle im Norden des Landes bis zu 80 Prozent
der Ernte. Währenddessen brachte der Tropensturm Noel der Karibik Tod
und Zerstörung. Ganz ungewöhnlich formierte sich dort im Dezember,
bereits außerhalb der Hurrikansaison, ein weiterer Tropensturm und
traf erneut die gänzlich unverbereitete Dominikanische Republik.

Der Klimawandel und die vermehrte Katastrophenanfälligkeit der Ärmsten
ist eines der Themen, die die fünf großen deutschen
Hilfsorganisationen gemeinsam betreffen. Zusammen werben sie darum im
Bündnis „Entwicklung hilft" für mehr Katastrophenvorsorge in der
Entwicklungsarbeit. „Wenn nichts passiert, ist viel erreicht", fasst
Bündnis-Sprecherin Kerstin Reisdorf das gemeinsame Ziel zusammen. Denn
„jede Katastrophe macht erreichte Fortschritte zunichte und wirft
gerade die Entwicklungsländer noch weiter zurück".

Im besonders katastrophenanfälligen Mittelamerika unterstützt jede der
fünf Hilfsorganisationen Vorsorgeprojekte, die ihren spezifischen
Stärken entsprechen. Auf Aufklärung und Bildung setzt Terre des Hommes
(siehe Haupttext). Bildung steht auch im Vordergrund bei der
Organisation „medico international". Sie unterstützt in Nicaragua
unter anderem das Wiederansiedlungsprojekt „El Tanque", wo
Kleinbauernfamilien nach dem Hurrikan Mitch eine neue Existenz fanden.
Eine umfassende Alphabetisierung und Ausbildung in diversifizierter
Landwirtschaft schützt die Menschen besser gegen zukünftige
Katastrophen.

Mehr auf die lokale Vernetzung zielt ein Pilotprojekt der „Deutschen
Welthungerhilfe" im Norden Nicaraguas. Sie baute unter Einbeziehung
der lokalen Führungspersonen ein Frühwarnsystem in der Gemeinde San
Juan de Limay auf. Die erste Bewährungsprobe kam mit den starken
Regenfällen im letzten Oktober. Die Menschen in den Dörfern wurden im
Gegensatz zu früheren Desastern von sich aus aktiv und retteten mit
Funkgeräten und ehrenamtlichen Rettungsbrigaden vermutlich mehrere
Hundert Leben.

Ein lokales Frühwarnsystem finanziert hat auch das evangelische
Hilfswerk „Brot für die Welt", an der hurrikangefährdeten
Atlantikregion Nicaraguas. Erdbebensicheres Bauen ist hingegen der
Schwerpunkt der Vorsorgearbeit von Misereor in El Salvador. Das
katholische Hilfswerk fördert die Entwicklung und Verbreitung von
kostengünstigen, speziell verstärkten Lehmziegelbauten.

Gemeinsam ist den Vorsorgeprojekten eines: Sie stärken die lokalen
Strukturen, denn um sich besser zu schützen, müssen die Menschen
zusammenarbeiten. Damit können sie aber auch ihre anderen Anliegen
besser durchsetzen, gegen die oftmals korrupten Zentralregierungen.
Somit dient die Katastrophenvorsorge auch der „nachhaltigen
Entwicklung", betont Bündnis-Sprecherin Reisdorf.