Weitere Morde in Guatemalas Wahlkampf

Human Rights Watch fordert Aufklärung

San José. In Guatemalas Wahlkampf ist erneut das Kind eines Politikers Opfer eines Mordanschlags geworden. Laut lokalen Medienberichten vom Mittwoch wurde die 14-jährige Tochter des Parlamentskandidaten Héctor Montenegro in Guatemala Stadt erstochen aufgefunden. Montenegro kandidiert für die Mitte-Links-Partei des Präsidentschaftsfavoriten Álvaro Colóm. Gegenüber dem Radio zeigte sich Colóm über die "ausufernde Gewalt" in Guatemala bestürzt.

Ebenfalls am Mittwoch (Ortszeit) forderte die US-amerikanische Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch die Behörden Guatemalas auf, einen ähnlichen Mord der vergangenen Woche schnell und umfassend aufzuklären. Opfer der Tat vom vergangenen Freitag war der Sohn des Menschenrechtlers Amílcar Méndez, der die Kandidatur von Colóm ebenfalls unterstützt.

Laut Bürgerrechtsgruppen in Guatemala wurden im Wahlkampf bisher rund 50 Menschen aus politischen Motiven ermordet. Opfer wurden vor allem Politiker von Coloms Partei UNE („Nationale Einheit der Hoffnung") oder deren Angehörige. Wahlbeobachter sprechen vom blutigsten Wahlkampf seit 20 Jahren.

Guatemala gilt als eines der gewalttätigsten Länder Lateinamerikas. Im vergangenen Jahr starben dort mehr als 6.000 Menschen durch Gewalttaten. Als Ursachen werden die zunehmende Armut und der wachsende Einfluss von Drogenkartellen genannt.