Blutiger Wahlkampf

30 000 Mann stark wird das Sicherheitsaufgebot sein, wenn Guatemala am nächsten Sonntag Präsident, Parlament und Gemeinderäte wählt. Doch niemand kann die Sicherheit der Kandidaten und der die 5,9 Millionen Wahlberechtigten garantieren. Mehr als 50 politisch motivierte Morde hat der laufende Wahlkampf gefordert. Die interamerikanische Menschenrechtskommission spricht besorgt von „generalisierter Gewalt" und „Gefährdung des Rechtsstaates".

Die letzten Umfragen vom vergangenen Freitag deuten auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Mitte-Links-Kandidaten Álvaro Colom hin und Otto Pérez Molina, General im Ruhestand. Während Pérez per Notstandsrecht das Land befrieden will, setzt Colom auf Justizreformen und soziale Programme. Beide würden sich in einer Stichwahl am 4. November wieder begegnen. Denn bei derzeit 14 Kandidaten für die Präsidentschaft wird in der ersten Runde am Sonntag wohl niemand die erforderlichen 50% der Stimmen erreichen.

Überraschungen sind aber möglich, denn immer noch sind fast ein Drittel der Wähler unentschlossen. Geringe Chancen auf die Stichwahl haben damit der Regierungskandidat Alejandro Giammattei (rechtsgerichtet), die Maya-Aktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú (linksgerichtet) sowie Eduardo Suger (siehe Haupttext). Die weiteren neun Kandidaten gelten hingegen als völlig chancenlos.