Hurrikan Felix verwüstet Nicaraguas Küste

"Es sieht fürchterlich aus" - Furcht vor Überschwemmungen in Mittelamerika - Präsident erbittet Hilfe

San José (epd). Nach dem Hurrikan "Felix" wächst die Furcht vor Überschwemmungen und Erdrutschen in Honduras und Nicaragua. Die Meterologen in Mittelamerika sagten am Mittwoch äußerst heftige Regenfälle voraus, während der Wirbelsturm abgeschwächt weiterzog. An der Nordostküste Nicaraguas hatte "Felix" am Dienstag schwere Verwüstungen angerichtet, deren Ausmaß zunächst noch nicht voll zu überblicken war. Kirchliche Hilfswerke riefen zu Spenden auf.

Nach Medienberichten starben in Nicaragua mindestens vier Menschen. Die Zahl der Obdachlosen wurde mit 38.000 angegeben. Präsident Daniel Ortega rief den Katastrophenzustand für die Atlantikprovinz aus und bat um ausländische Hilfe.

"Es sieht fürchterlich aus", sagte Jürgen Schmitz von der deutschen Welthungerhilfe in Nicaragua. "90 Prozent der Dächer im Hauptort Puerto Cabezas sind abgedeckt. "Das Wichtigste ist, die Menschen jetzt ins Trockene zu bringen. Auch die Trinkwasserversorgung ist problematisch, denn die starken Regenfälle verschmutzen die Brunnen." Außerdem werde es auch bald "Hungerprobleme" geben, denn ein großer Teil der Ernte sei wohl zerstört.

Aus vielen Orten noch keine Nachricht
Aus vielen Gemeinden der nördlichen Karibikküste lagen auch am Mittwochmorgen (Ortszeit) keine Nachrichten vor. Experten befürchten, die Opferzahlen könnten noch steigen. Schmitz berichtete: "Das grösste Problem ist die katastrophale Infrastruktur. Viele Orte sind nur über Flüsse zu erreichen. Es gibt keinen Strom, das Telefonnetz ist zerstört. Die Helfer versuchen, per Boot und Jeep vorzudringen"..

13 000 Menschen an Nicaraguas Karibikküste konnten rechtzeitig vor dem Unwetter evakuiert werden. Damit sei die Katastrophenvorsorge "wesentlich besser" als noch beim Hurrikan Mitch im Jahre 1998, sagte Schmitz. Medienberichte über an Benzinmangel gescheiterten Evakuierungen konnte er nicht bestätigen.

Die Welthungerhilfe koordiniert derzeit mit dem Auswärtigen Amt und der Europäischen Union die internationale Hilfe. Als schwierig könnte sich laut Schmitz der Transport der Güter aus der Hauptstadt Managua in das Katastrophengebiet erweisen.

30 000 Euro Soforthilfe von der Diakonie

Die Diakonie Katastrophenhilfe stellte 30.000 Euro für Lebensmittel, Medikamente und Unterkünfte im Hurrikan-Gebiet bereit. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen hatte bereits am Vortag Soforthilfe für rund 55 000 Menschen angekündigt.

Der Missionsdienst der Herrnhuter Brüdergemeine berichtete von schweren Schäden in den von Indianern bewohnten Regionen an der Küste und im Hinterland.

Kommunikation, Elektrizität, Wasser- und Gesundheitsversorgung sind völlig lahmgelegt, so die evangelische Freikirche, die unter den Indianern in Nicaragua viele Partnergemeinden hat. Viele Straßen und Wasserwege seien unpassierbar, Kirchen und Schulen zerstört oder stark beschädigt. Die Aufräumarbeiten hätten sofort begonnen, berichtete die Vorsitzende der örtlichen Kirchenleitung, Cora Antonio.