Nicaraguas Parlament bestätigt ausnahmsloses Abtreibungsverbot - "zurück in die Steinzeit"
San José. Nicaraguas Parlament hat am Donnerstag (Ortszeit) das seit knapp einem Jahr geltende ausnahmslose Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen bestätigt und die Strafen für Verstöße festgelegt. Laut der Tageszeitung "La Prensa" (Online-Ausgabe) drohen dem medizinischen Personal zukünftig Haftstrafen von bis zu drei Jahren und Berufsverbot. Den Schwangeren drohen bis zu zwei Jahren Gefängnis. Das gilt auch dann, wenn der Abort das Leben der werdenden Mutter retten soll.
Der Entscheidung des Einkammerparlaments stimmten sowohl die Abgeordneten der regierenden sandinistischen Partei (linksgerichtet) als auch die liberalkonservative Opposition zu. Lediglich drei Abgeordnete der sozialdemokratischen "Bewegung zur Erneuerung des Sandinismus" stimmten gegen die Vorlage. Sie warfen ihren Kollegen vor, Nicaragua "in die Steinzeit" zu katapultieren. Ähnlich äußerten sich am Donnerstag Frauen- und Bürgerorganisationen in der Hauptstadt Managua. Sie befürchten eine Zunahme der bereits heute weit verbreiteten klandestinen Abtreibungen unter unhygienischen Bedingungen.
Das Abtreibungsverbot war von Nicaraguas Parlament im Grundsatz bereits vergangenen Oktober beschlossen worden, damals mitten im Wahlkampf, und mit Unterstützung des kurz darauf zum Präsidenten gewählten Sandinistenführers Daniel Ortega. Der frühere Revolutionär hatte in den letzten Wochen vor der Wahl die Unterstützung prominenter Kirchenvertreter erhalten.
Erst vergangenen Sonntag haben die Bischöfe Nicaraguas (die Episkopalkonferenz) das Parlament dazu ermahnt, das Abtreibungsverbot bei der aktuellen Strafrechtsreform beizubehalten.
Nicaragua ist einer von fünf Staaten weltweit, die keine Ausnahme vom Abtreibungsverbot kennen. Vier dieser Staaten liegen in Lateinamerika, der fünfte ist der Vatikan.