Wahlen in Guatemala: Sozialdemokrat Colom in Führung

Stichwahl gegen Ex-General Pérez Molina – Nobelpreisträgerin Menchú chancenlos

San José. Im Rennen um Guatemalas Präsidentschaft kommt es zu einer Stichwahl zwischen dem führenden Sozialdemokraten Alvaro Colom und dem zweitplatzierten Ex-General Otto Pérez Molina. Wie die Wahlbehörde des mittelamerikanischen Landes nach Auszählung von 91 Prozent aller Wahllokale mitteilte, hat Colom bei der Wahl am Sonntag 28 Prozent der gültigen Stimmen erreicht, vier Prozentpunkte mehr als Pérez Molina. Für einen Sieg in der ersten Wahlrunde wären nach Wahlgesetz mehr als 50 Prozent der Stimmen notwendig gewesen.

Unerwartet schlecht schnitt die Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú ab. Die erste indigene Präsidentschaftskandidatin Guatemalas erreichte mit rund drei Prozent der Stimmen den sechsten Platz unter allen 14 Präsidentschaftsbewerbern.

Als Überraschungserfolg galt hingegen das Abschneiden des schweizerisch-guatemaltekischen Doppelbürgers Eduardo Suger. Der Mathematikprofessor, der Guatemala nach dem Vorbild der Schweiz föderalisieren will, kam mit über sieben Prozent auf den vierten Platz.

Die Wahlbeteiligung unter den knapp 6 Millionen wahlberechtigten Bürgern Guatemalas lag laut Wahlbehörde bei über 60 Prozent. Internationale Wahlbeobachter zeigten sich erleichtert darüber, dass es nicht zu den im Vorfeld befürchteten Gewaltakten gekommen ist. Die Organisation Amerikanischer Staaten sprach von einer ruhigen Wahl ohne außergewöhnliche Zwischenfälle. Ähnlich äußerten sich die Wahlbeobachter der Europäischen Union. Lokale Wahlbeobachter des „Mirador Electoral" denunzierten hingegen Fälle von duplizierten Wählerausweisen und Stimmenkauf.

Im Parlament ist Coloms "Einheit der Nationalen Hoffnung" (Mittelinks) mit 23 Prozent stärkste Partei. Es folgen mit jeweils rund 16 Prozent die rechtsgerichtete "Patriotische Partei" von Pérez Molina und die Mitterechts-Partei der "Großen Nationalen Allianz" des bisher regierenden Präsidenten Oscar Berger, so die Teilergebnisse der Wahlbehörde.

Viertstärkste Partei ist mit knapp zehn Prozent die rechtsgerichtete "Republikanische Front" um den früheren Diktator Efrain Rios Montt. Dem wegen Menschenrechtsverbrechen international zur Festnahme ausgeschriebenen 81-Jährigen ist ein Parlamentssitz damit sicher. Ob sich die damit verbundene Immunität auch auf die in den 80er Jahren begangenen Taten beziehen, ist Gegenstand juristischer Diskussionen in Guatemala.

Die Stichwahl fuer das Praesidentenamt ist für den 4. November vorgesehen. Laut Umfragen vor der Wahl gilt dabei Pérez Molina als Favorit. Denn ihm würden ein großer Teil der Stimmen der anderen rechtsgerichteten Kandidaten zufallen. Guatemalas bisheriger Präsident Oscar Berger konnte gemäß Verfassung nicht mehr kandidieren.