Nobelpreisträgerin Menchú chancenlos
San José. Bei den Präsidentschaftswahlen am Sonntag in Guatemala deuten erste Ergebnisse auf eine Stichwahl zwischen dem Sozialdemokraten Alvaro Colom und dem Ex-General Otto Pérez Molina hin. Denn gemäß einer Sonntagnacht von der Wahlbehörde veröffentlichten Teilauszählung ((von 26 Prozent der Stimmen)) hat keiner der Kandidaten die erforderlichen 50 Prozent der Stimmen für einen Sieg im ersten Wahlgang erreicht.
Widersprüchlich sind die bisherigen Informationen darüber, wer in Führung liegt. Laut Wahlbehörde liegt Pérez Molina mit 26 Prozent der Stimmen vorne, drei Prozentpunkte vor Colom. Eine repräsentative Wählerbefragung durch die Tageszeitung „El Periodico" deutet hingegen auf den Mitte-Links-Kandidaten Colom mit 36 Prozent als Sieger hin, sieben Prozentpunkte vor dem Rechtskandidaten Pérez Molina. Auf ein ähnliches Ergebnis kommt auch eine vom Fernsehen durchgeführte Umfrage.
Unerwartet schlecht schnitt laut Befragungen und laut Wahlbehörde die Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú ab. Die erste indigene Präsidentschaftskandidatin Guatemalas erreichte mit knapp drei Prozent der Stimmen den sechsten Platz unter allen 14 Präsidentschaftsbewerbern.
Als Überraschungserfolg galt hingegen das Abschneiden des schweizerisch-guatemaltekischen Doppelbürgers Eduardo Suger. Der Mathematikprofessor, der Guatemala nach dem Vorbild der Schweiz föderalisieren will, kam mit rund zwölf Prozent (Wahlbehörde) respektive acht Prozent (Umfragen) auf den vierten Platz.
Die Wahlbeteiligung unter den knapp 6 Millionen wahlberechtigten Bürgern Guatemalas lag laut Wahlbehörde bei über 60 Prozent. Internationale Wahlbeobachter zeigten sich erleichtert darüber, dass es nicht zu den im Vorfeld befürchteten Gewaltakten gekommen ist. Die Organisation Amerikanischer Staaten sprach von einer ruhigen Wahl ohne außergewöhnliche Zwischenfälle. Ähnlich äußerten sich die Wahlbeobachter der Europäischen Union. Lokale Wahlbeobachter des „Mirador Electoral" denunzierten hingegen Fälle von duplizierten Wählerausweisen und Stimmenkauf.
Aus den am Sonntag ebenfalls abgehaltenen Parlamentswahlen liegen noch keine aussagekräftigen Ergebnisse vor. Gemäß früheren Umfragen wird keine Partei die absolute Mehrheit erreichen, und der zukünftige Präsident damit auf Koalitionen angewiesen sein.
Bekannt ist hingegen das wichtigste Ergebnis aus den Lokalwahlen in den 332 Gemeinden Guatemalas. Als sicher gilt die Wiederwahl des Bürgermeisters von Guatemala Stadt, Álvaro Arzu. Der frühere Präsident des Landes kam auf deutlich über 50 Prozent der Stimmen in der Hauptstadt, so die Wahlbehoerde.
Die Stichwahl fuer das Praesidentenamt ist für den 4. November vorgesehen. Laut Umfragen vor der Wahl gilt dabei Pérez Molina als Favorit. Denn ihm würden ein großer Teil der Stimmen der anderen rechtsgerichteten Kandidaten zufallen. Guatemalas bisheriger Präsident Oscar Berger konnte gemäß Verfassung nicht mehr kandidieren.