San José. Bei den Präsidentschaftswahlen in Guatemala zeichnet sich gemäß Wählerbefragungen eine Stichwahl zwischen dem führenden Sozialdemokraten Alvaro Colom und dem zweitplatzierten Ex-General Otto Pérez Molina ab. Laut einer von der Tageszeitung „El Periodico" (Online-Ausgabe) nach Wahlschluss am Sonntag publizierten Umfrage hat Colom 36 Prozent der Stimmen erreicht, sieben Prozentpunkte mehr als Pérez Molina. Auf ein ähnliches Resultat deutet eine weitere, im Fernsehen verbreitete Wählerbefragung hin (Colom 36%, Molina 30%). Offizielle Ergebnisse lagen entgegen der Ankündigung der Wahlbehörde Sonntagnacht noch nicht vor.
Damit hätte Colom zwar deutlich mehr Stimmen erzielt als Umfragen vor der Wahl vermuten ließen. Die notwendigen 50 Prozent der gültigen Stimmen für einen Wahlsieg in der ersten Runde hat der 56-Jährige jedoch verpasst.
Enttäuschend schlecht schnitt gemäß den Wählerbefragungen die Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú ab. Die erste indigene Präsidentschaftskandidatin Guatemalas erreichte mit rund drei Prozent der Stimmen den sechsten Platz unter allen 14 Präsidentschaftsbewerbern.
Als Überraschungserfolg galt hingegen das Abschneiden des schweizerisch-guatemaltekischen Doppelbürgers Eduardo Suger. Der Mathematikprofessor, der Guatemala nach dem Vorbild der Schweiz föderalisieren will, kam mit rund acht Prozent auf den vierten Platz.
Die Wahlbeteiligung unter den knapp 6 Millionen wahlberechtigten Bürgern Guatemalas lag laut Wahlbehörde bei über 60 Prozent. Internationale Wahlbeobachter zeigten sich erleichtert darüber, dass es nicht zu den im Vorfeld befürchteten Gewaltakten gekommen ist. Die Organisation Amerikanischer Staaten sprach von einer ruhigen Wahl ohne außergewöhnliche Zwischenfälle. Ähnlich äußerten sich die Wahlbeobachter der Europäischen Union. Lokale Wahlbeobachter des „Mirador Electoral" denunzierten hingegen Fälle von duplizierten Wählerausweisen und Stimmenkauf.
Aus den am Sonntag ebenfalls abgehaltenen Parlamentswahlen liegen noch keine Ergebnisse vor. Gemäß früheren Umfragen wird keine Partei die absolute Mehrheit erreichen, und der zukünftige Präsident damit auf Koalitionen angewiesen sein.
Bekannt ist hingegen das wichtigste Ergebnis aus den Lokalwahlen in den 332 Gemeinden Guatemalas. Im Amt bestaetigt wurde gemaess Wahlbehoerde der Buergermeister von Guatemala Stadt, Álvaro Arzu. Der fruehere Praesident des Landes kam auf 53 Prozent der Stimmen in der Hauptstadt.
Die Stichwahl fuer das Praesidentenamt ist für den 4. November vorgesehen. Laut Umfragen vor der Wahl gilt dabei Pérez Molina als Favorit. Denn ihm würden ein großer Teil der Stimmen der anderen rechtsgerichteten Kandidaten zufallen. Guatemalas bisheriger Präsident Oscar Berger konnte gemäß Verfassung nicht mehr kandidieren.