Guatemala beendet das Geschäft mit dem Babyhandel

San José. Guatemala beendet nach jahrelangem Ringen den Adoptionshandel mit Babys. Wie die Zeitung "El Periodico" am Mittwoch berichtete, hat das Parlament des mittelamerikanischen Landes mit 109 zu 1 Stimme einer auf Druck des Auslands (der Vereinten Nationen) erarbeiteten Gesetzesänderung zugestimmt. Damit wird ab 2008 für eine Adoption ein richterlicher Beschluss notwendig, überwacht von einer nationalen Aufsichtsbehörde.

In Guatemala werden bisher rund 5000 Babys jährlich adoptiert, meist von Familien aus den USA. Sie zahlten dafür bisher zwischen 25 000 und 40 000 Dollar. Der grösste Teil des Geldes fließt bisher an Notare und Rechtsanwälte. Ihnen wird mit der Gesetzesänderung die Befugnis für Adoptionen entzogen.

"Heute ist ein historischer Tag für das Land. Heute wird die Grundlage dafür geschaffen, dass der Kinderraub mit dem Ziel der Adoption verschwindet", sagte der Abgeordnete Edgard Rodríguez von der Mittelinkspartei UNE des gewählten Präsidenten Álvaro Colom

Der Jugendanwalt und Aktivist für Kinderrechte, Héctor Dionisio, zeigte sich über die Abstimmung zufrieden. Er sagte: "Die Adoption hat sich in ein Geschäft verwandelt. Es wurden (bisher) Kinder für den Export produziert."

Nicht dem schärferen Adoptionsregime unterstellt werden allerdings die derzeit pendenten rund 3700 Adoptionsverfahren. Sie können auf Druck der USA hin noch nach dem alten Adoptionsregime durchgeführt werden.

In Guatemala leben laut offizieller Statistik 51 Prozent der rund 13 Millionen Einwohner in Armut. Viele junge Frauen gebären laut früheren Presseberichten Kinder einzig mit dem Zweck, sie für eine Provision von wenigen Dollar zur Adoption freizugeben. In anderen Fällen wurde
Kinder geraubt, die dan später in Adoptionsheimen aufgefunden wurden.

Nicht in Guatemalas Adoptionshandel involviert sind Deutschland und fünf weitere europäische Staaten. Sie erkennen Adoptionen aus Guatemala nicht an.