San José. Brasiliens Präsident Ignacio Lula hat bei einem Blitzbesuch auf Kuba umfangreiche Wirtschaftshilfe für die kommunistisch regierte Antilleninsel zugesichert. Laut der staatlichen kubanischen Nachrichtenagentur schlossen die beiden Länder am Dienstag (Ortszeit) zehn Wirtschaftsabkommen. Sie sehen mit brasilianischen Krediten finanzierte Investitionen in zahlreichen Wirtschaftssektoren Kubas vor, darunter der Landwirtschaft, dem Nickel-Bergbau, der Pharmaindustrie und der Biotechnologie. Vorgesehen sind auch Probebohrungen der staatlichen Ölgesellschaft Brasiliens, Petrobas, in kubanischen Hoheitsgewässern. Weder Kuba noch Brasilien gaben den Wert der Wirtschaftshilfe bekannt. Medien in Brasilien schätzten ihn auf 500 bis 1000 Millionen US-Dollar.
Treffen mit Fidel CastroEmpfangen wurde Lula von Kubas interimistischen Staatschef, Raul Castro. Sie erklärten, die Wirtschaftszusammenarbeit zukünftig ausweiten zu wollen, etwa für Investitionen ins Straßennetz oder in Kubas Tourismussektor. Laut dem brasilianischen Außenministerium traf sich Lula auch mit Kubas erkranktem Staatspräsident und Parteichef, Fidel Castro. Das Treffen wurde von Kuba bisher nicht bestätigt. Über den Inhalt der Unterredung ist nichts bekannt.
Der einstige Gewerkschaftsführer Lula bezeichnete sich in der Vergangenheit wiederholt als "Freund Fidel Castros". Neben Lulas Sympathie für die kubanische Revolution vermuten Medien in Brasilien auch handfeste Motive für seine Wirtschaftsoffensive auf Kuba. Zum Einen wolle Lula den Einfluss von Venezuelas linkspopulistischem Staatspräsident Hugo Chávez zurückdrängen. Zum Anderen, vermutet die Tageszeitung "Estado de San Pablo", wolle Lula die brasilianische Wirtschaft für bald erwartete Liberalisierungsschritte auf der Antilleninsel in Startposition bringen.