Mexiko Stadt / Havanna. Kurz vor der Entscheidung der EU über deren diplomatischen Sanktionen gegenüber Kuba hat die Menschenrechtsgruppe "Damen in Weiß" in Havanna deren Beibehaltung gefordert. "Ich würde mir wünschen, dass diese Sanktionen der EU gegen Kuba beibehalten werden, denn mit der kubanischen Regierung zu reden ist nicht der Mühe wert", sagte Berta Soler, Sprecherin der Gruppe, vor ausländischen Medien am Sonntag (Ortszeit).
Die "Damen in Weiß" wurden 2003 von Ehefrauen und Angehörigen politischer Gefangener in Kuba gegründet, nachdem 75 Oppositionelle in Schnellverfahren zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Die EU verhängte damals diplomatische Sanktionen gegen den kommunistisch regierten Karibikstaat, setzte diese aber 2005 auf Druck Spaniens vorübergehend aus. Eine endgültige Entscheidung streben die 27 EU-Mitgliedsländer am kommenden Donnerstag an. Tschechien und Holland widersetzen sich bisher einer bedingungslosen Aufhebung der Sanktionen.
Soler erinnerte am Sonntag daran, dass von den 75 Verurteilten auch nach dem Machtübergang von Fidel zu Raúl Castro noch immer 55 in Haft sind. "Seit fünf Jahren fordern wir die Freiheit unserer Männer", sagte Soler. Sollte die EU nun ihre Sanktionen aufheben, werde sich für die politischen Häftlinge auf der Insel nichts ändern.
Die "Damen in Weiß" wurden 2005 vom EU-Parlamet mit dem Sacharowpreis für Menschenrechte ausgezeichnet. Die staatlich kontrollierte Presse Kubas bezeichnete die Menschenrechtsgruppe jüngst als von Washington finanzierte Agenten. Kubas Regierung verneint bisher die Existenz von politischen Häftlingen.