Verheerung in Haiti nach zwei Hurrikanen

Gleich zwei Hurrikane in einer Woche haben in Haiti mehr als 100 Menschenleben gefordert und weite Gebiete zerstört. Michael Kühn, Regionalkoordinator der Deutschen Welthungerhilfe, sprach gegenüber dem epd von einer "angespannten bis verheerenden Lage", und rief erneut dringend zu Spenden auf.

"Erst hatten wir den Hurrikan Gustav im Süden des Landes und nun Hanna im Norden. Damit ist das gesamte Land betroffen", teilte Kühn aus der Hauptstadt Port-au-Prince mit. Noch sei es nicht möglich, den Umfang der Schäden abzuschätzen, denn zahlreiche Brücken und Straßen seien zerstört. Mitarbeiter der Welthungerhilfe und anderer Hilfsorganisationen versuchen derzeit, in abgeschnittene Ortschaften vorzudringen. "Die bereits vorliegenden Daten lassen Schlimmstes befürchten", sagte Kühn.

Gemäß vorläufigen Daten der Behörden sind durch Hanna mindestens 26 Personen umgekommen. Der Hurrikan traf den Karibikstaat überraschend am Dienstag (2.9.), nachdem er seinen Kurs geändert hatte. Genau eine Woche zuvor (26.8.) forderte der Hurrikan Gustav 77 Menschenleben. Einige Regionen Haitis meldeten Ernteausfälle bis zu 75 Prozent.

"Wir benötigen dringend Lebensmittel, Wasser und Notunterkünfte", sagte Kühn. Die Notvorräte seien bereits nach Hurrikan Gustav aufgebraucht worden. Durch den starken Regen seien zudem zahlreiche Gärten zerstört und Vieh umgekommen. Viele Menschen seien obdachlos.

Langfristig befürchtet Kühn eine zunehmende Abhängigkeit Haitis von Lebensmitteleinfuhren und damit weiter steigende Preise. Dabei war es in dem verarmten Karibikstaat erst im vergangenen April zu gewalttätigen Hungerprotesten gekommen. "Die Abhängigkeit von Importen wird zunehmen", sagte Kühn zu den Folgen der Hurrikane.

Zahlreiche staatliche und private Organisationen sicherten bereits Soforthilfe für Haiti und das ebenfalls betroffene Kuba zu. Darunter befinden sich die Bundesregierung (200 000 Euro) und die Welthungerhilfe (100 000 Euro).

Derweil rasen zwei weitere Wirbelstürme auf die Karibik zu, nämlich Ike und Josephine. Kühn hofft, dass sie nicht auch noch Schaden anrichten: "Man kann zurzeit nur hoffen, dass die nächsten Hurrikane nicht auch noch Haiti oder die anderen Karibikinseln treffen."