Alarmierender Anstieg von Auslandsadoptionen in Guatemala

Alarmierender Anstieg von Auslandsadoptionen in Guatemala

San José. Trotz internationaler Kritik am Babyhandel in Guatemala droht im laufenden Jahr ein "alarmierender Anstieg" von Adoptionen guatemaltekischer Babys durch US-Bürger. Dies sagte der Generalstaatsanwalt des mittelamerikanischen Landes, Mario Gordillo, am Donnerstag (Ortszeit) gegenüber dem Fernsehsender Telediario. Gordillo erwartet für das laufende Jahr 5500 Adoptionsgesuche, das sind 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Das "Beunruhigende" daran sei, dass die Auslandsadoptionen "mehrheitlich mit gefälschten Papieren" abgewickelt würden. In verschiedenen Fällen seien sogar geraubte Babys schließlich zur Adoption durch Ausländer freigegeben worden.

Laut Guatemalas Menschenrechtsbeauftragten Sergio Morales gilt das mittelamerikanische Land als "Weltmeister im Baby-Export". Mit den Adoptionen durch Ausländer, meist US-Bürger, haben Anwälte und Notare in Guatemala im vergangenen Jahr schätzungsweise 200 Millionen US-Dollar Umsatz generiert. Die Herkunft der vermittelten Babys ist dabei oft unklar. Babyhändler reisen durch das ganze Land und üben psychologischen Druck oder auch Gewalt aus, um Mütter aus armen Verhältnissen zur Herausgabe ihrer Neugeborenen zu bringen.

Die Vereinten Nationen haben bereits im vergangenen Mai einen sofortigen Stopp aller Auslandsadoptionen in Guatemala gefordert. Das Parlament des Landes hat damals den Beitritt Guatemalas zum internationalen Adoptionsabkommen von Den Haag beschlossen. Es stärkt die Rechte der adoptierten Kinder und seiner biologischen Eltern. Bisher hat Guatemala allerdings keine Schritte unternommen, um das internationale Abkommen in die Praxis umzusetzen.