Tauziehen um Panamas Ex-Diktator Noriega

Opfer enttäuscht über US-Auslieferung an Frankreich

San José. Knapp zwei Wochen vor der Freilassung von Panamas früherem Machthaber Manuel Antonio Noriega aus der US-Haft hat ein internationales Tauziehen um seine Auslieferung eingesetzt. Panamas Außenminister Samuel Lewis kündigte in einer Pressemitteilung am Dienstag (Ortszeit) ein Auslieferungsgesuch in Frankreich an. Damit reagierte Panama auf die wenige Stunden zuvor gefällte Entscheidung eines Gerichts in Miami, den 73-jährigen Ex-Diktator nach Frankreich auszuliefern und nicht in seine Heimat.

In Panama zeigten sich Vertreter der Opfer von Noriegas Militärdiktatur (1983-1989) gegenüber den Medien tief enttäuscht. Sie fordern die Überstellung Noriegas nach Panama und werfen Staatspräsident Martín Torrijos vor, sich nicht genügend dafür eingesetzt zu haben. In Panama war Noriega in Abwesenheit zu 40 Jahren Haft verurteilt worden, unter anderem wegen der Ermordung Oppositioneller während seiner Regierungszeit. Panama hat darum bereits 1991 ein erstes Auslieferungsgesuch in den USA gestellt. Allerdings wird in Panama über ein Geheimabkommen mit den USA gemunkelt, das die Überstellung Noriegas an Frankreich vorsehe. Dort erwartet Noriega ein Verfahren wegen Geldwäscherei. ((laut Umfragen glauben 64 Prozent der Panamenier an dieses Geheimabkommen))

Noriega galt lange Zeit als Liebling der USA - bis er wegen seiner Verstrickung in den internationalen Kokainhandel in Ungnade fiel. 1989 besetzten US-Truppen Panama Stadt und überführten Noriega in die USA. Dort wurde er 1992 in Miami zu 40 Jahren Haft verurteilt. Nachdem die Strafe mehrfach reduziert wurde, soll Noriega am kommenden 9. September aus der US-Haft entlassen werden.

Noriega selbst zieht laut seinen Anwälten die Auslieferung nach Panama vor. Dort könnte der 73-Jährige seine Haftstrafe aufgrund seines hohen Alters in Haus-Arrest verbüßen (umwandeln lassen).

Für die Auslieferung Noriegas nach Frankreich fehlt noch die formelle Bestätigung der US-Regierung. Sie wird am Donnerstag (30.8.) erwartet.