Proteste in mehreren Orten Kubas - Opposition ruft Regierung zu Dialog auf
San José. In Kuba ist es nach Angaben der illegalen Opposition vom Freitag (Ortszeit) in den vergangenen Tagen an mehreren Orten zu politisch motivierten Protesten gekommen. Polizei und Staatssicherheit nahmen mehrere Dutzend Personen fest, die bis Freitag Abend alle wieder auf freiem Fuß waren. Mehrere der Freigelassenen berichteten von Prügel und entwürdigender Behandlung durch die Sicherheitskräfte. Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" verurteilte das Vorgehen der kubanischen Behörden. In einer Presseerklärung vom Freitag warf die internationale Journalistenvereinigung Kubas Regierung vor, im Windschatten der Ereignisse von Birma eine erneute "Welle der Repression" zu starten.
Die jüngste von insgesamt drei Protestaktionen in Kuba entzündete sich am Donnerstag vor dem Justizministerium in Havanna. Die frühere politische Gefangene Martha Beatriz Roque forderte dort zusammen mit weiteren Oppositionellen eine Antwort auf ein zuvor eingereichtes Schreiben zur Freilassung der schätzungsweise 250 politischen Gefangenen auf der kommunistisch regierten Karibikinsel. Dabei wurden laut verschiedenen Quellen der Opposition zwischen 25 und 47 Personen vorübergehend festgenommen, darunter Roque sowie zwei Mitglieder der auf Kuba illegalen Menschenrechtsgruppe "Damen in Weiß". Roque sprach nach ihrer Freilassung von "unnötiger Gewalt" der Sicherheitskräfte, das sie als Beweis für die "Nervosität in der höchsten Führung" deutete.
Wie ebenfalls am Freitag bekannt wurde, hatten bereits am Montag in der zentralen Provinz Villa Clara rund 40 Personen für die Freilassung der politischen Gefangenen demonstriert. Zuvor hatten in Santiago de Cuba Mitte September rund 300 unzufriedene Universitätsstudenten spontan protestiert - die größte jemals bekannt gewordene Revolte im traditionell regierungsfreundlichen Osten der Insel.
Laut Manuel Cuesta, Führer des sozialdemokratischen Flügels von Kubas illegaler Opposition, äußerte sich in den Protesten die "kumulierte Unzufriedenheit" vieler Kubaner. Die Regierung solle darum "positiv auf die Forderungen nach Dialog reagieren", sagte Cuesta am Freitag gegenüber der im Internet verbreiteten Oppositionszeitung "Cubaencuentro". Andernfalls drohe eine "unkontrollierbare Kettenreaktion".
Kuba wird seit 14 Monaten interimistisch von Verteidigungsminister Raul Castro regiert. Der jüngere Bruder des erkrankten Präsidenten Fidel Castro hat in den vergangenen Wochen mehrmals zu einer offenen und kritischen Debatte der Verhältnisse auf Kuba aufgerufen - ein Aufruf, der von Cuesta und anderen Oppositionellen mit Skepsis aufgenommen wurde. Vor einer Woche (So 22.9.) warnte Raul Castro, die Reformdebatte habe am "richtigen Ort und zum geeigneten Zeitpunkt" stattzufinden.