Guatemalas Polizeichef abgesetzt - erneut stehen Polizisten unter Mordverdacht
San José. Nachdem erneut Polizisten in Guatemala unter Mordverdacht stehen, hat die Regierung den Polizeichef des mittelamerikanischen Landes, Julio Hernández, entlassen. Wie Innenministerin Adela de Torrebiarte am Mittwoch (Ortszeit) den Medien mitteilte, soll damit die Untersuchung einer Bluttat unter Polizeibeteiligung vor einer Woche ermöglicht werden. Gemäß bisherigen Erkenntnissen hatten mehrere Polizisten fünf junge Männer in Guatemala Stadt willkürlich festgenommen und später kaltblütig ermordet. An der Tat sollen auch zwei Leibwächter des nun entlassenen Polizeichefs beteiligt gewesen sein.
"Wir wissen, dass es schlechte (oder: böse, unanständige) Polizisten innerhalb der Institution gibt", räumte die Innenministerin vor den Medien ein. Zugleich kündigte sie die Entlassung weiterer 200 Polizisten im Zuge der "Reinigung" der Sicherheitskräfte an.
Bereits in den vergangenen Monaten hatte Innenministerin de Torrebiarte 900 Polizisten vom Dienst suspendiert. Die frühere Menschenrechtsaktivisten war erst im April ernannt worden, um in Guatemalas Polizei aufzuräumen. Auslöser war damals die Ermordung von drei Parlamentsabgeordneten des Nachbarlandes El Salvador, in die hohe Polizeioffiziere Guatemalas verstrickt waren.
Guatemala hat mit knapp 6000 Morden jährlich eine der höchsten Mordraten Lateinamerikas. Nur zwei Prozent der Straftaten werden aufgeklärt. Laut Regierung sind jugendliche Banden, die sogenannten Maras, Urheber der Gewalt. Menschenrechtsgruppen hingegen vermuten, dass die Mehrheit der Bluttaten auf das Konto der Sicherheitskräfte geht. Diese seien im großen Stil in den internationalen Drogenhandel verwickelt. Außerdem würden sie mit Billigung der Vorgesetzten "soziale Säuberungen" gegen mutmaßliche jugendliche Straftäter durchführen.