Mexiko ist das gefährlichste Land für Journalisten in Amerika
San José / Miami. In vielen Staaten des amerikanischen Kontinents sind Journalisten durch Morde, Todesdrohungen und willkürliche Justizverfahren bedroht. Dies schaffe "schwerwiegende Hindernisse" für die Pressefreiheit, teilte die interamerikanische Pressegesellschaft am Dienstag (Ortszeit) in einer Erklärung zum Abschluss ihrer halbjährlichen Generalversammlung in Miami (USA) mit. Gemäß der Organisation, die die führenden Medie Amerikas umfasst, sind in Mexiko die Journalisten einem besonders "hohen Risiko" ausgesetzt. Mit fünf Morden an Pressemitarbeitern im vergangenen halben Jahr (seit vergangenem März) steht das Aztekenland an der Spitze der Liste der ermordeten Journalisten des Kontinents.
Die "grössten Angriffe" gegen die Pressefreiheit fanden laut der interamerikanische Pressegesellschaft in Venezuela statt. In knapp 30 Fällen sahen sich Journalisten dort Morddrohungen und Gewaltakten ausgesetzt. Zudem ließ der linkspopulistische Präsident Hugo Chávez im vergangenen Mai einen oppositionellen Fernsehsender schließen. Missliebige Journalisten sehen sich willkürlichen Justizverfahren ausgesetzt. Ähnliche Tendenzen sieht die Pressegesellschaft bei den neuen Linksregierungen in Ecuador und Bolivien.
Scharf kritisiert hat die interamerikanische Pressegesellschaft auch Kolumbien. Dessen rechtsgerichteter Staatspräsident Álvaro Uribe habe durch "abwertende Äußerungen" über die Presse die Gefahr für Journalisten erhöht.
Enttäuscht zeigte sich die Pressegesellschaft über Kuba. Dort habe sich seit der Machtübernahme durch Raúl Castro vor 14 Monate "überhaupt nichts" an der "alarmierenden Situation" der unabhängigen Journalisten geändert.
Zuvor hatte am Dienstag "Reporter ohne Grenzen" in Paris ihren jährlichen Index zur Pressefreiheit publiziert. Auch die internationale Journalistenvereinigung kritisierte Mexiko für die zahlreichen Journalistenmorde und warf dessen Richtern Untätigkeit bei der Aufklärung vor. "Die Justiz erreicht es nicht, alle Verantwortlichen zu sanktionieren, und die Straflosigkeit ist weiterhin die Regel."
Insgesamt wurden in den vergangenen sechs Monaten zwölf Journalisten und andere Pressemitarbeiter in Amerika ermordet, fünf davon in Mexiko (wo noch zwei Verschwundene hinzukommen), und jeweils einer in El Salvador, Kolumbien, Paraguay, USA, Haiti, Brasilien und Peru.