Guatemala rutscht nach links

Sozialdemokrat Colom gewinnt Stichwahl für Präsidentschaft

San José. Der Sozialdemokrat Álvaro Colom ist nächster
Präsident Guatemalas. Bei den Stichwahlen am Sonntag kam der
56-jährige Ingenieur laut vorläufigen Ergebnissen auf 52,8 Prozent der
Stimmen. Dies teilte die Wahlbehörde des
mittelamerikanischen Landes nach Auszählung von 99,6 Prozent der Stimmen
in der Nacht auf Montag mit. Der rechtsgerichtete
Gegenkandidat und Ex-General Otto Pérez Molina räumte vor den lokalen
Medien seine Niederlage ein.

Die Abstimmung am Sonntag war ruhig verlaufen und ohne schwerwiegende
Unregelmäßigkeiten. „Besorgnis erregend tief" war jedoch die
Wahlbeteiligung, so Víctor Gálvez, Sprecher der nationalen
Wahlbeobachtervereinigung Guatemalas. ((„El Mirador Electoral")). Nur
rund 40 Prozent der knapp sechs Millionen Wahlberechtigten machten von
ihrem Stimmrecht Gebrauch.

Mit Colom würde Guatemala erstmals seit über 50 Jahren wieder eine
linksgerichtete Regierung erhalten. Er übernimmt am kommenden 14.
Januar ein Land, das laut früheren Berichten der Vereinten Nationen
„auf dem Weg zum gescheiterten Staat" ist. In Guatemala werden 6000
Morde jährlich verübt. Die Justiz ist nahezu kollabiert, die Polizei
vom internationalen Drogenhandel unterwandert. Die Verteilung von
Einkommen und Vermögen ist eine der ungleichsten in Lateinamerika.
Mehr als die Hälfte der 13 Millionen Einwohner gelten als arm.

Colom und Pérez Molina waren aus der ersten Wahlrunde am 9. September
als die beiden Bestplatzierten unter 14 Kandidaten hervorgegangen. Der
bisherige Präsident Oscar Berger (Mitte-rechts) darf gemäß Verfassung
nicht für eine zweite Amtszeit kandidieren.