Costa Rica - Befriedigung über harte Urteile für Journalistenmord

Auch betrügerischer katholischer Priester betroffen

San José / New York. Journalisten in ganz Amerika zeigten sich am
Donnerstag befriedigt über harte Stafurteile in Costa Rica gegen zwei
Journalistenmörder und einen betrügerischen katholischen Priester in
ihrem Umfeld. Von einem "ermutigenden Schritt gegen die
Straflosigkeit" sprach am Donnerstag (Ortszeit) das Komitee zum Schutz
der Journalisten. Die in New York beheimatete Organisation rief in
ihrer Presseerklärung Lateinamerika dazu auf, dem Beispiel Costa Ricas
zu folgen.

Am Mittwoch verurteilte ein Gericht in Costa Rica Omar Chaves,
Geschäftsmann und Financier des Kirchensenders Radio Maria, zu
insgesamt 47 Jahren Haft für Betrug an Gläubigen und für den Mord am
Parmenio Medina im Jahr 2001. Der in Costa Rica damals populäre
Journalist Medina hatte vor seiner Ermordung den Kirchensender
beschuldigt, Millionenspenden von Gläubigen zu veruntreuen.

Unter Anklage stand auch der Gründer von Radio Maria, der katholische
Priester Minor Calvo, der seit vier Jahren in Untersuchungshaft sitzt.
Calvo wurde (am Mittwoch) vom Mordverdacht freigesprochen, zugleich
aber wegen schweren Betrugs an den Hörern von Radio Maria zu 15 Jahren
Haft verurteilt.

Außerdem verurteilt wurde ein Gehilfe von Chaves. Er erhielt 30 Jahre
Haft für Beihilfe zum Mord.

Der Verband der Journalisten Costa Ricas zeigte sich über die Urteile
befriedigt. Zugleich rief er in einer Presseerklärung vom Donnerstag
die Justiz dazu auf, weitere bisher ungeklärte Fälle von
Journalistenmorden in dem mittelamerikanischen Land anzugehen.

Der bisher längste und spektakulärste Strafprozess in der Geschichte
Costa Ricas ist mit den Urteilen von Mittwoch noch nicht zu Ende.
Priester Calvo, der seit 2003 stets seine Unschuld beteuert, hat
Berufung angekündigt.

Der Erzbischof von San José, Hugo Barrantes, kündigte gegenüber der
Zeitung "Diario Extra" an, den Fall des Priesters Calvo mit dem
Vatikan zu erörtern.