Aids in Costa Rica: "Hier fühle ich mich nützlich"

Maria del Milagro Badilla (32) kocht ehrenamtlich für das "Heim der Hoffnung". Die einzige Zufluchtstätte für HIV-Infizierte in Costa Ricas Hauptstadt San José geht auf die Initiative des ehemaligen katholischen Priesters Orlando Novarro zurück und finanziert sich durch private Spenden. Die lutherische Kirche Costa Ricas (ILCO) unterstützt dort eine ambulante Frauengruppe, an der auch Badilla teilnimmt. Gerade für Frauen aus einfachen Verhältnissen ist das die einzige Gelegenheit, über die Krankheit zu reden. Ihre Lebenspartner, obwohl oft selbst infiziert, scheuen das Gespräch.

Es geht eng zu im „Heim der Hoffnung". Die 24 Männer und drei Frauen leben in Mehrbettzimmern. Ihre wenigen Besitztümer liegen in Plastiktüten verpackt unter den Betten. Doch aus den Gesichtern strahlt Zufriedenheit. Denn die meisten Bewohner lebten zuvor auf der Straße, entlassen von ihren Arbeitgebern und ausgestoßen von ihren Familien. Ihr gemeinsames Schicksal: Sie sind HIV-positiv.

Selbst der Zahnarzt verweigert die Behandlung


„Unsere Leute leiden viel unter der Diskriminierung", berichtet die Heimleiterin Hellen Cordero. Gerade hat die Psychologin alle Hände voll mit dem staatlichen Gesundheitsdienst zu tun, der sich entgegen Gesetz und Anstand immer wieder weigert, HIV-Positive zu behandeln. „Drei unserer Jungs wurde die Zahnbehandlung verweigert. Da geben wir dann Begleitung. Wir reichten Anzeige ein, das war eine langwierige Geschichte, aber erfolgreich. Sie bekamen die Behandlung."

Vor 14 Jahren gründete der ehemalige katholische Priester Orlando Novarro das Heim. Seither hat sich die aus privaten Spenden finanzierte Institution im Süden der Hauptstadt zur Anlaufstelle für viele HIV-Positive entwickelt. Manche brauchen psychologischen oder juristischen Rat. Andere kommen, weil sie einfach einmal eine Dusche brauchen, denn sie haben keinen anderen Ort.

Besonders eng geht es im „Heim der Hoffnung" mittwochs zu. Denn dann trifft sich dort die ambulante Frauengruppe. Betreut wird sie unter anderem von Katharina Hedqvist und Magnus Leonardi-Hedqvist. Das schwedische Pfarrerehepaar steht im Dienst der lutherischen Kirche Costa Ricas und arbeitet vor allem in der Aidsprävention und der Seelsorge HIV-infizierter Menschen.

Handarbeit öffnet die Seelen

„Anfangs waren es reine Gesprächsrunden, aber der intellektuelle Zugang ist schwierig", berichtet Leonardi-Hedqvist. „Darum haben wir begonnen, mehr mit den Händen zu arbeiten." So lernten die Frauen in den vergangenen Monaten, Körbe zu flechten. Die Arbeit erleichtert nicht nur Gespräche über Sorgen und Nöte der Frauen. Sie ziehen auch materiellen Nutzen daraus. Und das ist wichtig. Denn die meisten leben in extremer Armut und sind glücklich, wenn sie ihre Erzeugnisse verkaufen können.

"Wenn der Mann krank ist, zittern wir alle um den Arbeitsplatz"

Eine der Frauen ist Maria del Milagro Badilla (32). Die jüngste ihrer drei Töchter starb vor zehn Jahren an Aids, die beiden anderen sind HIV-negativ. Vor vier Jahren verlor Badilla ihre Arbeit, als dem Chef klar wurde, dass sie HIV-positiv ist. Inzwischen erhält sie eine Sozialrente von umgerechnet rund 100 Euro monatlich. Ihr heutiger Lebenspartner ist ebenfalls HIV-positiv und verdient als Hilfsarbeiter rund 200 Euro monatlich. Wenn er krank ist, „zittern wir alle um den Arbeitsplatz", berichtet Badilla. Denn der Chef und die Kollegen wissen nichts von der Krankheit.

Die Mittwochstreffen schätzt Badilla nicht nur wegen der gratis Verpflegung. Sie hat zudem ein verantwortungsvolles Ehrenamt: „Stellen Sie sich vor, jeden Mittwoch koche ich für ungefähr 60 Personen. Ich fühle mich gut, ich fühle mich nützlich." Neben dem Kochen bleibt immer noch Raum für Gespräche mit den anderen Frauen, und auch das schätzt Badilla sehr. Denn daheim kann sie nicht über ihre Anliegen sprechen. „Mit meinem Mann rede ich fast nie über HIV und Aids. Er hat nie die Schule besucht, ist sehr verschlossen. Mir aber gefällt es zu reden, was das ist, was das bedeutet."

"Große Lust zu leben"

Den Menschen wieder eine Perspektive zu geben, sei das Ziel der Arbeit des Heimes, sagt die Leiterin Cordero. „Es ist viel Arbeit, damit die Leute erkennen, dass sie gut leben können, dass HIV kein Todesurteil sein muss. Es ist ein Prozess, damit die Leute einen gesunden und positiven Lebensstil annehmen."

Bei Maria Badilla war der Prozess erfolgreich. Sie sagt: „Ich fühle mich gut. Ich habe große Lust zu leben."