Mexiko-Stadt. Bei den Parlamentswahlen in Kuba haben 96,89 Prozent der Stimmberechtigten teilgenommen. Dies teilten die Behörden der kommunistisch regierten Karibikinsel am Freitag (Ortszeit) mit. Kubas Justizministerin María Esther Reus, zugleich Präsidentin der Wahlbehörde, sprach im staatlichen Fernsehen von einem "vollen Erfolg" der am vergangenen Sonntag abgehaltenen Wahlen. Denn 91 Prozent der gültigen Stimmen seien auf die von der kommunistischen Partei vorgegebenen Einheitslisten entfallen. "Das ist eine bewusste Rückenstärkung für die Führung der Revolution", interpretierte Reus das Wahlergebnis.
Wie ebenfalls am Freitag bekannt wurde, bereitet Kubas neu gewähltes Parlament derzeit die für den kommenden 24. Februar vorgesehene Regierungswahl vor. Dabei wird auch über die zukünftige Rolle des erkrankten Staats- und Parteichefs Fidel Castro (81) entschieden. Laut Parteizeitung Granma wird jeder der 614 Parlamentsabgeordneten in den kommenden Tagen einer "weitestgehenden Befragung" unterzogen. Ziel sei, in einer "kollektiven Evaluation" die geeignetsten Kandidaten für die 31-köpfige Regierung Kubas, den Staatsrat, zu ermitteln.
Staatsratspräsident ist seit 1979 Fidel Castro. Nach einer schweren Darmerkrankung im Juli 2006 trat er die Amtsgeschäfte vorübergehend an seinen 76-jährigen Bruder Raúl Castro ab und seither nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten.
Andeutungen zur kommenden Regierungswahl machte vor wenigen Tagen Kubas bisheriger Parlamentspräsident Ricardo Alarcón. In einem Interview mit der New York Times schlug er vor, Fidel Castro als Staatsratspräsident wiederzuwählen, ihm aber die Entscheidung über die Annahme der Wahl zu überlassen.
Fidel Castro hat sich zu seiner politischen Zukunf bisher nicht konkret geäußert. In einem Artikel vom vergangenen Dezember schrieb der Revolutionsführer allerdings, er hänge nicht an der Macht.
ANMERKUNG ZUM WAHLERGEBNIS
Hier alle Prozentzahlen zur Wahl - wenn sie auch wohl nicht allzuviel aussagen:
- 96,89 Prozent gleich 8,231 Mio der rund 8,4 Millionen Wahlberechtigten sind wählen gegangen.
- Von diesen 8,231 Mio Wahlzetteln waren 95,24 Prozent gültig.
- Der Rest war ungültig (1,04%) oder leer (3,73%).
- Von den gültigen Stimmen wiederum entfielen 91 Prozent auf die Einheitslisten (alle 614 Kandidaten für die 614 Sitze).
- Die restlichen 9 Prozent wählten nur selektiv, also zwischen 1 und 613 der 614 Kandidaten aus.
- Die Möglichkeit nein zu stimmen - also alle abzulehnen - gab es nicht. Das wären dann die leeren oder ungültigen Stimmen.