Missbrauchsvorwürfe bleiben ungeklärt
Mexiko Stadt. Für seine Anhänger war er ein Heiliger, für seine Opfer ein Krimineller. Der mexikanische Priester Marcial Maciel, Gründer der "Legionäre Christi", ist gestorben, ohne dass die gegen ihn gerichteten Anschuldigungen des sexuellen Missbrauchs aufgeklärt wurden. Wie der katholische Orden am Donnerstag (Ortszeit) mitteilte, verstarb der 87-Jährige nach längerer Krankheit am Mittwoch in den USA .
1941 gründete Maciel den Orden "Legionäre Christi", der sich zum konservativen Arm des Vatikan entwickelte. Heute gehören dem Orden rund 500 Priester in vier Kontinenten an, mit Schwerpunkt in Lateinamerika. 1959 gründete Maciel den weltlichen Ableger des Ordens, "Regnum Christi", dem inzwischen 65 000 Anhänger angehören, viele davon aus der Oberschicht Lateinamerikas. Maciel galt als enger Vertrauter des 2005 verstorbenen Papstes Johannes-Paul II, den er auf drei seiner Auslandsreisen begleitet hatte.
Als polemischer Wortführer des konservativen Flügels der katholischen Kirche stand Maciel wie kein anderer Priester dann im Zentrum von Missbrauchsvorwürfen. In den 90er Jahren warfen ihm acht ehemalige Seminarschüler vor, sie während ihrer Adoleszenz sexuell missbraucht zu haben. Wiederholt und mit Daten und Namen untermauert wurden die Vorwürfe in einem 2003 veröffentlichten Buch eines seiner ehemaligen Schüler. (Alejandro Espinosa: "El Legionario")
Doch der Vatikan wollte das heiße Eisen nie recht anfassen. Papst Benedikt XVI verzichtete 2006 unter Hinweis auf das hohe Alter Maciels auf einen Untersuchungsprozess gegen ihn. Ohne Maciels Schuld zu klären, untersagte ihm der Vatikan, Messen zu zelebrieren oder in der Öffentlichkeit aufzutreten. Bereits 2005 hatte Maciel die Führung dr Legionäre abgegeben. Die letzten Lebensjahre verbrachte er zurückgezogen. In ihrer Pressemitteilung kündigten die Legionäre Christi ein einfaches und privates Begräbnis an.
Maciels frühere Opfer zeigten sich nach der Nachricht seines Todes unversöhnlich. "Es ist schade, dass er nicht von der Justiz zur Rechenschaft gezogen wurde", teilte in Mexiko die "Vereinigung der Überlebenden von Missbräuchen durch Priester" mit.