Guatemala kehrt zur Todesstrafe zurück

Mexiko-Stadt. Das Parlament Guatemalas hat am Dienstag (Ortszeit) der Rückkehr zur Todesstrafe zugestimmt. Einer entsprechenden Gesetzesinitiative der rechten Opposition stimmte auch die sozialdemokratische Partei des regierenden Präsidenten Álvaro Colom zu. Er wird damit in letzter Instanz über die Gnadengesuche der gegenwärtig 34 zum Tode verurteilten Häftlinge in dem mittelamerikanischen Land entscheiden müssen. Colom hatte sich noch während des letztjährigen Wahlkampfes gegen die Todesstrafe ausgesprochen.

Populär dank Todesstrafe:
Ex-General und Oppositionsführer
Otto Pérez Molina


Entscheidet jetzt über Gnadengesuche:
Präsident und Todesstrafengegner
Álvaro Colom


Guatemalas oberstes Gericht hatte die Anwendung der Todesstrafe im Jahr 2002 ausgesetzt. Anlass war eine zuvor im Fernsehen übertragene, dilettantisch durchgeführte Hinrichtung.

In Guatemalas Bevölkerung ist die Todesstrafe populär. Grund dafür ist die epidemische Alltagsgewalt in dem 13-Millionen-Einwohner-Land. Im vergangenen Jahr kamen im Durchschnitt 17 Menschen täglich gewaltsam um. Guatemalas Justiz gelingt es nur etwa ein Prozent der Verbrechen aufzuklären.

Rechtsgerichtete Politiker machen gewalttätige Jugendbanden für die vielen Morde verantwortlich. Menschenrechtsgruppen sehen hingegen die Sicherheitskräfte des Landes als Urheber der Gewalt. So deuten viele Indizien darauf hin, dass die Mehrheit der Morde durch Polizisten oder private Sicherheitsdienste verübt werden.

Die beiden einzigen anderen Staaten, die im amerikanischen Kontinent die Todesstrafe noch anwenden, sind die USA und Kuba.