100 Pesos (umgerechnet 10 Franken) sollen Polizisten in der mexikanischen Stadt Aguascalientes für jedes abgenommene Kilogramm Körpergewicht erhalten. Dies kündigte ein Sprecher der dortigen Stadtpolizei vor den Medien an.
Anlass für den Abspeckungsbonus ist die weit verbreitete Fettleibigkeit unter den 3000 lokalen Sicherheitskräften. Rund ein Drittel von ihnen ist übergewichtig, einige darunter mehr als 20 Kilogramm, hatte das Stadtparlament bemängelt.
"Wir haben hier einige Dicke", räumte der Polizeisprecher ein. Straftäter zu verfolgen sei für diese Polizisten eine "übermenschliche Anstrengung". Um sie wieder für ihre Berufsausübung fit zu machen, habe man die Polizisten darum "schon seit einiger Zeit ermuntert, abzunehmen, sich mehr zu bewegen, Sport zu treiben."
Wird der Abspeckungsbonus nächste Woche wie vorgesehen beschlossen, könnten die dicksten Ordnungshüter bis zu 2000 Peso (200 Franken) Zulage erhalten. Das entspricht mehr als einem Wochenlohn. Voraussetzung dafür ist, dass die Polizisten unter ärztlicher Aufsicht
erfolgreich zum Normalgewicht zurückkehren.
Fettleibigkeit ist in Mexiko generell ein weit verbreitetes Problem. Von den mehr als 100 Millionen Einwohnern des Landes sind laut offizieller Statistik 69 Prozent übergewichtig, darunter 30 Prozent stark übergewichtig. Damit verbunden ist eine weite Verbreitung von
Diabetes.
Die Ursache der Übergewichtigkeit ist bekannt: „T-Diät" heisst sie im Volksmund. Das steht für die unausgewogene Ernährung aus Taco, Tortillas und Tamales (Maisgebäck).
Mexikos insgesamt 317 000 Polizisten werden dabei nicht nur durch überflüssige Pfunde an erfolgreicher Arbeit gehindert. Die Polizei ist in zahlreichen lokalen und staatlichen Einheiten organisiert, die mehr gegeneinander als miteinander arbeiten. Korruption und Misswirtschaft sind verbreitet.
So ist auch der Leistungsausweis von Mexikos Polizei bescheiden. In den vergangenen sieben Jahren kamen im ganzen Land fast 12 000 Menschen gewaltsam um, die meisten von ihnen in Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Drogenbanden.
Mexikos Präsident Felipe Calderón setzt darum seit einem Jahr die Armee zur Drogenbekämpfung ein, trotz heftiger Kritik von Menschenrechtsorganisationen. Seither gehen bei den großen Razzien regelmäßig auch Polizisten ins Netz. Allein im vergangenen Monat
wurden 11 Polizisten unter dem Verdacht des organisierten Drogenhandels festgenommen.