Ende von Haitis Regierungskrise in Sicht

Michèle Pierre-Louis nimmt erste Parlamentshürde auf Weg zur Premierministerin

Mexiko-Stadt. Nach mehr als drei Monaten ohne Regierung zeicnnet sich in Haiti breite Zustimmung zur Wahl von Michèle Pierre-Louis als neue Premierministerin ab. Wie Radio Metropole aus der Hauptstadt Port-au-Prince berichtete, stimmte die untere Parlamentskammer am Donnerstag (Ortszeit) der Ernennung von Pierre-Louis zu. 61 von 88 anwesenden Parlamentariern stimmten Ja, einer Nein, der Rest enthielt sich. Bevor die 60-jährige Kulturmanagerin das Amt des Regierungs-Chefs antreten kann, muss allerdings noch der Senat zustimmen.

Vor der Abstimmung hatten die Vereinten Nationen sowie 225 zivile Organisationen Haitis das Parlament ermahnt, die Regierungskrise zu beenden.

Haitis bisheriger Premierminister Jacques-Edouard Alexis wurde am 12. April nach gewalttätigen Hungerprotesten vom Senat abgesetzt. Die Abgeordneten warfen ihm Untätigkeit angesichts der steigenden Lebensmittelpreise vor. Staatspräsident René Préval schlug daraufhin zwei Kandidaten vor, die beide vom Parlament abgelehnt wurden. Mit Pierre-Louis machte Préval seinen dritten Vorschlag.

Pierre-Louis ist Ökonomin und und leitet seit 1995 die vom ungarischen Milliardör Georges Soros finanzierte Kulturstiftung FOKAL in Haiti. Mit Alphabetisierungskursen, dem Aufbau von Bibliotheken und der Förderung von Kunst und Literatur erwarb sich Pierre-Louis einen Ruf über Haitis Grenzen hinaus. Pierre-Louis Kandidatur wird von konservativen religiösen Gruppen in Haiti bekämpft, die ihr einen unmoralischen Lebenswandel vorwerfen.