Fehlende Hilfsgelder und zerstörte Straßen gefährden Überlebenshilfe für Hurrikanopfer
Mexiko / Port-au-Prince. Nach drei Hurrikanen in zwei Wochen hat sich die Versorgungslage in Haiti dramatisch zugespitzt. Ein führender Funktionär der Vereinten Nationen (UNO) in der Hauptstadt Port-au-Prince kündigte am Dienstag (Ortszeit) einen internationalen Hilfsappell der UNO über 100 Millionen US-Dollar (70,8 Millionen Euro) schwere Hilfsfonds an. Finanziert würde damit die Soforthilfe für den schwer getroffenen Karibikstaat, aber auch Wiederaufbauarbeiten, Umweltmaßnahmen und die Ankurbelung der zerstörten Landwirtschaft.
"Uns gehen die Mittel aus", sagte gegenüber dem epd Joel Boutroue, Koordinator des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) in Haiti. Er warnte vor drohenden Versorgungsengpässen: 800 000 Menschen in Haiti benötigten derzeit Soforthilfe. Davon seien viele ohne Obdach, Nahrungsmitteln und Trinkwasser.
Myrta Kaulard vom UN-Welternährungsprogramm in Haiti bezifferte den Bedarf an Reis, anderen Lebensmitteln und dringenden Hilfsgütern auf 25 000 Tonnen. Davon konnten bis Dienstag lediglich 282 Tonnen verteilt worden. Grund seien die gesunkenen Lagerbestände, aber auch die zerstörte Infrastruktur. Beschädige Häfen sowie zerstörte Straßen und Brücken erschweren die Verteilung der Hilfsgüter.
Am vergangenen Montag streifte der Hurrikan "Ike" Haiti. In den starken Regenfällen und Überschwemmungen kamen laut Behörden 66 Menschen um. Bereits in den zwei Wochen zuvor forderten die Hurrikane "Gustav" (26.8.) und "Hanna" (2.9.) mehr als 600 Menschenleben. Besonders dramatisch ist derzeit laut lokalen Medienberichten die Lage in den überschwemmten Küstenstädten Gonaives und Cabaret, aus denen zahlreiche Menschen fliehen. Weitere Gebiete sind zudem von der Außenwelt abgeschnitten.