UNO macht Abholzung und Armut für die Hurrikankatastrophe in Haiti verantwortlich

Mexiko / Port-au-Prince. Die Vereinten Nationen haben die aktuelle Hurrikankatastrophe in Haiti als "zum Teil selbst verschuldet" bezeichnet und forderten Sofortmaßnahmen gegen Abholzung und Armut. "Die jüngsten Hurrikane haben gezeigt, dass Haiti im Umweltnotstand ist", sagte Joel Boutroue, Koordinator des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) in Haiti, am Dienstag (Ortszeit) im Gespräch mit dem epd. Er warnte: "Wir müssen sofort etwas gegen Abholzung und Armut unternehmen. Sonst laufen wir gegen die Wand".

Drei Hurrikane innerhalb von zwei Wochen haben laut internationalen Schätzungen in Haiti mehr als 600 Menschenleben gefordert. 800 000 Personen sind nach großflächigen Überschwemmungen derzeit auf Nothilfe angewiesen. Viele sind ohne Obdach, Nahrungsmittel und Trinkwasser. Damit sind die Effekte der Hurrikane "Ike" (8.9.), "Hanna" (2.9.) und "Gustav" (26.8.) in Haiti wesentlich gravierender als in den ebenfalls betroffenen Nachbarstaaten Kuba und Dominikanische Republik.

"In Haiti sind nur noch zwei Prozent der Fläche bewaldet. Darum ist die Wirkung der Hurrikane hier sehr viel stärker", erklärte Boutroue. Ursache für die massive Abholzung sei die weit verbreitete Armut. So koche die Mehrheit der Haitianer mit Holz oder Holzkohle, weil sie sich andere Energiequellen nicht leisten können. Das wiederum fördere die Abholzung - ein Teufelskreis.

"Wir benötigen zwei Dinge: Geld und den politischen Willen, die Umweltsituation zu verbessern", erklärte Boutroue. Zugleich kündigte er für die kommenden Tage einen Appell der UNO für einen 100-Millionen-Fonds für Haiti an. Ein Teil davon sei für die aktuelle Nothilfe nötig. Zudem sollen der Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur und die Verbesserung der Umweltsituation finanziert werden.

Haiti ist das ärmste Land des amerikanischen Kontinents. 76 Prozent der Bevölkerung gelten als arm, rund die Hälfte ist laut UN-Statistik unterernährt. Das Land muss große Teile seines Lebensmittelbedarfs importieren.